Heiraten in Polen: Tipps und Wissenswertes für den besonderen Tag

Eine Hochzeit in Polen ist ein besonders schöner Anlass, um das Land zu besuchen. In Polen zu heirateten bedeutet, einen feierlichen Anlass zu zelebrieren. Kein Wunder, dass Brautpaare diesen besonderen Tag lange vorbereiten. Polen hat seine eigenen Sitten und Gebräuche, wenn es ums Heiraten geht. Die Preise sind im Vergleich zu Deutschland nicht so hoch – ein guter Grund, warum nicht nur deutsch-polnische Paare in Polen heiraten, sondern auch rein deutsche Paare im Ausland den Bund der Ehe schließen wollen.

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Dienstag, 10. Dezember 2019
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Die Pyramide in Rosen/Rożnów | Foto: Paulina Kuc
Die Pyramide in Rosen/Rożnów | Foto: Paulina Kuc

Bei der St. Peter und Paul Kirche in Rosen/Rożnów befindet sich ein ungewöhnliches Gebäude. Die Pyramide, die für die Bewohner des Dorfes bereits zum Teil der örtlichen Landschaft wurde, verheimlicht jedoch viele Geheimnisse. Obwohl sie bereits von vielen vergessen wurde und verfallen ist, ist sie ein altes Grabmal. 

In diesem kleinen Dorf in der Woiwodschaft Oppeln lohnt es sich, eine kurze Pause zu machen. In Rosen/Rożnów kann man nämlich eine der wenigen polnischen Pyramiden finden. Obwohl viele gar nicht davon wissen, dass hier eine Pyramide steht, ist ihre Geschichte genauso interessant, wie die der Pyramide in Angerapp/Rapa. Wie kam es jedoch dazu, dass in Polen Pyramiden gebaut wurden, die man eigentlich vor allem mit Ägypten verbindet? Die Antwort auf diese Frage hat Prof. Barbara Kwiatkowska von der Naturwissenschaftlichen Universität in Breslau/Uniwersytet Przyrodniczy we Wrocławiu. „Krypten dieser Art kommen auf dem Terrain von ganz Polen vor und wurden als Gräber für wohlhabende, vor allem preußische Familien ab der Mitte des 17. Jahrhundert bis zum 19. Jahrhundert gebaut. Vermutlich entstanden sie wegen der Faszination mit dem Alten Ägypten und dem Willen der Betonung des eigenen Prestiges. Ich denke, dass das Grab in Rosen auch eine solche Bedeutung hatte“, erklärt Prof. Kwiatkowska.  

Die Pyramiden in Rapa und Rosen

Die, die bereits die Pyramide in Rosen/Rożnów besucht haben, überlegen oft, ob sie mit der in ganz Polen bekannten Pyramide in Angerapp/Rapa etwas zu tun hat. Zwischen den beiden Gebäuden und ihrer Geschichte kann man viele Ähnlichkeiten finden. Beide wurden in der gleichen Zeitspanne als Familiengrabmäler erbaut. Beide sind auch das Ergebnis der damaligen Faszination mit der Antike. Genau wie in Angerapp/Rapa, ist auch die Pyramide in Rosen/Rożnów von Geheimnissen umweht. Die Familienmitglieder in Angerapp/Rapa waren angeblich mit einem Fluch belegt, und mit den Geistern und Skeletten aus Rosen/Rożnów hat man die örtlichen Bewohner eingeschüchtert. „Es existieren historische und Sciencefiction-Zusammenhänge zwischen ihnen. Sie sind weit voneinander gelegen, obwohl sie in der gleichen Zeitspanne gebaut wurden. Ich denke, dass es interessant wäre, einige Zusammenhänge zwischen ihnen zu finden. Auf jeden Fall ist die Form einer Pyramide eine Ähnlichkeit, doch die Gestalt der Pyramide in Angerapp/Rapa, wie auch ihre Lage sind anders als in Rosen/Rożnów. Es sind auch nicht die einzigen Bauten solcher Art in Polen“, erklärt Prof. Kwiatkowska. 

 

 

Was hat das Brandenburger Tor mit der Pyramide in Rosen gemeinsam?

Das 8,5 m hohe Gebäude wurde im preußischen Rosen gebaut und hatte von Anfang an die Funktion eines Grabmals. Der Stifter der Pyramide war ein preußischer General, Carl Adolf August von Eben und Brunnen. Der Architekt, der hingegen das Projekt ins Leben rief, war Carl Gotthard Langhans, dessen bekanntestes Werk das Brandenburger Tor in Berlin ist. Er entwarf auch unter anderem den Mielżyński-Palast in Pawlowitz/Pawłowice und den Wallenberg-Pachaly-Palais in Breslau/Wrocław. Die Pyramide in Rosen/Rożnów sollte ein Grabmal für die Familie von Eben sein. Wahrscheinlich baute man sie nicht nur wegen der Faszination mit dem Alten Ägypten, sondern auch um den Zerfall der begrabenen Körper zu verhindern. Diese Form eines Grabes sollte ihre Mumifizierung garantieren. Und in der Tat ist es so passiert. Natürlich nicht in allen Fällen, doch ein Teil der Leichen wurde wirklich mumifiziert. „Hier lagen 13 erwachsene Personen, 4 Männer und 9 Frauen und teilweise mumifizierte menschliche Überreste eines 11-13-jährigen Jungen. Manche Mumien waren beschädigt, nur wenige Teile blieben erhalten. Andere waren hingegen nur teilweise mumifiziert und teilweise skelettiert“, erklärt Prof. Kwiatkowska. In der Krypta ruhen auch nur skelettierte Leichen. Ein Teil der Knochen lag vermischt unter der Erde.  

Die Begrabenen in der Pyramide

Die Pyramide wurde im Jahr 1780 erbaut und die erste Person, die dort begraben wurde, war der Schwiegervater von Carl Adolf August von Eben und Brunnen, Christian von Möhring. Zwar starb er bereits im Jahre 1773, doch seine Ehefrau, Anna von Möhring hat seine Leiche später in die Pyramide verlegt. So erfüllte sie den letzten Wunsch ihres Ehemannes. Wie viele Personen ruhen jedoch im Familiengrab der von Ebens und wer waren sie? Auf diese Fragen versuchte Prof. Kwiatkowska zu antworten, die zwischen dem 20. und 21. Juni 2015 eine Erforschung der Krypta durchführte, auf Anordnung des damaligen Denkmalschützers  in Oppeln. „Das Ausmaß der Arbeiten war gering, sie hatten einen ‚Rettungscharakter‘, verbunden mit der Notwendigkeit des Aufräumens der devastierten Krypta und der Absicherung der dort ruhenden Leichen, zudem auch der Durchführung einer ersten anthropologischen Einschätzung der menschlichen Überreste. Alle Mumien und Skelette wurden nach Draußen gebracht, die Särge wurden in Ordnung gebracht, die Aufschüttung  wurde herausgebracht, dank dem der Boden des Sarges zum Vorschein gebracht wurde. Aus der Aufschüttung  hat man menschliche Knochen ausgegraben , die ich geordnet und anhand derer ich später die Zahl der Menschen bestimmt habe, außer der bereits genannten Mumien. Die Skelettüberreste und Mumien habe ich inventarisiert und fotografiert. Ich habe auch eine anthropologische Analyse durchgeführt und dabei das Geschlecht und Alter der Skelette bestimmt. In Fällen, in denen es möglich war, habe ich Messungen der Schädel und Knochen durchgeführt. Ich habe auch pathologische Veränderungen der Knochen beschrieben, um verschiedene Krankheiten festzustellen“, schildert Prof. Kwiatkowska den Verlauf ihrer Forschung. 


Achäologische Untersuchungen in der Pyramide

Aus ihr folgt, dass in dem Zeitraum von 1780 bis 1830 in der Pyramide 28 Personen in verschiedenem Alter begraben wurden. Unter ihnen waren 14 mumifizierte Körper in verschiedenem Zustand, zwei  anatomisch komplette Skelette erwachsener Personen, durchmischte Knochen von sieben Erwachsenen, durchmischte Knochen einer Person im Jugendalter und von vier Kindern. 10 Leichen erwachsener Personen waren männlich, 12 weiblich. Das Skelett der Person im Jugendalter war auch männlich. Den Rest der Leichen konnte man nicht identifizieren. Die meisten Begrabenen starben im fortgeschrittenen Alter. Prof. Kwiatkowska stellte auch fest, dass diese Personen verwandt gewesen sein könnten, weil in manchen Fällen die Ähnlichkeit der Morphologie der Schädel sichtbar erkennbar war. „Doch, um die familiären Beziehungen zu bestätigen, wäre eine DNA-Analyse notwendig. Leider hat man damals das Geld für solche Untersuchungen nicht bereitgestellt“, erklärt Prof. Kwiatkowska. 

Aus ihrer Untersuchungen folgt auch, dass die begrabenen Personen unter guten ökonomischen Bedingungen lebten, was jedoch nicht bewirkte, dass sie von Krankheiten nicht betroffen waren. „Wegen des Alters quälten viele Personen rheumatische Erkrankungen, hauptsächlich waren es Wirbelsäulenprobleme. Bei einer der älteren Frauen habe ich den sog. Witwenbuckel festgestellt, also den Effekt einer im Alter fortschreitenden Osteoporose. Einer der Männer hatte eine starke Skoliose, die eine Verkrümmung des Beckens auslöste, was wahrscheinlich große Probleme bei der Bewegung verursachte. Bei zwei älteren Personen habe ich auch Veränderungen in den Fußgelenken festgestellt, die ein Effekt einer Gicht, also einer Urikopathie waren, der charakteristischen Krankheit der Reichen. Zusätzlich hatte ich bei einem der kleineren Kinder fortgeschrittene rachitische Weränderungen festgestellt. Der Zustand der Zähne vieler Personen war sehr schlecht aufgrund vorkommender Zahnkaries und Parodontose. Erhebliche Anlagerungen von Zahnstein zeugen nicht wirklich gut von der Hygiene der Familie von Eben“, erklärt Prof. Kwiatkowska. Sie betont jedoch, dass die Krypta sehr lange nicht abgesichert war, weswegen es zu einer langsamen Verwüstung der Pyramide kam, infolge davon viele Elemente der Ausstattung der Leichen und Särge mit Sicherheit verschwunden sind. 


Prof. Barbara Kwiatkowska bei der Arbeit

Im Laufe der Untersuchungen ist es Prof. Kwiatkowska gelungen, General von Eben zu identifizieren. Das tat sie nur anhand von Fragmenten der Militärbekleidung. Völlige Sicherheit würde jedoch eine DNA-Analyse gewähren, für die jedoch das Geld fehlt. Über die anderen Personen weiß man leider nicht viel. Prof. Kwiatkowska gelang es zusätzlich eine Aufschrift auf einem der Särge zu lesen, auf der stand ‚Sylphius Dehnel 1858‘. „Angeblich war er ein Cousin des Generals, doch das konnte ich nicht bestätigen“ bedauert Prof. Kwiatkowska.

Eine Braut im Sarg

Unter den Särgen in der Pyramide befanden sich auch die menschlichen Überreste einer jungen Frau in einem schmuckvollen, weißen Kleid mit himmelblauen Aufnähern und himmelblauen, Satinschuhen. Es könnte ein Brautkleid sein gewesen, doch Prof. Kwiatkowska ist hierbei nicht sicher. Sie ist hingegen der Meinung, dass die Frau die Tochter des Generals sein könnte. Man sagt auch, dass in dem Grabmal ein Kind in einem Kinderwagen begraben wurde. Auch das kann Prof. Kwiatkowska nicht bestätigen – „Wie ich bereits früher erwähnte, fanden wir Überreste von vier Kindern im Alter von 2 bis 4 Jahren, die durchmischt in der Aufschüttung lagen. Einen Kinderwagen gab es in der Krypta jedoch nicht, doch weil die Pyramide viele Jahre offen war, kann man nicht ausschließen, dass er dort früher stand“. Die Geschichte der Braut und des Babys im Kinderwagen bleibt also immer noch ein Geheimnis. 

Manche sind auch der Meinung, dass die örtlichen Bewohner in der Pyramide landwirtschaftliche Produkte aufbewahrt haben. Auch diese Information wird von Prof. Kwiatkowska dementiert. „Spuren der Aufbewahrung der Ernte habe ich nicht festgestellt. In der Aufschüttung, am Boden der Krypta lag viel Müll, der wahrscheinlich durch das Fenster in der Pyramide rein geworfen wurde“, erklärt sie. 


Die Pyramide in Rosen/Rożnów | Foto: Paulina Kuc

Die vergessene Pyramide

Heute ist die Krypta aufgeräumt und mit einer Tür abgesichert. In der Vergangenheit kam es hier leider oft zu Plünderungen. Erst hat die Rote Armee die Pyramide vernichtet. Danach zog sie Schatzsucher an, und letztendlich besuchten diesen Ort die örtlichen Diebe. Die dortigen Leichen wurden geschändet, manche Menschen haben sie sogar zur Ausübung grausamer Scherze ausgenutzt. Lange Zeit war dieser Ort auch der Treffpunkt zum Alkohol trinken. Erst nach dem Einsetzen einer Metalltür hat sich die Situation beruhigt. Wer trotzdem einen Blick ins Innere der Pyramide haben möchte, kann sich durch zwei kleine Fenster die Särge anschauen. Diese Fenster sind wahrscheinlich Horusaugen, die im Alten Ägypten die Symbole der Wiedergeburt und der Regeneration waren. Sie haben die Fülle des Daseins repräsentiert.

Die Pyramide blieb bis zum 19. Jahrhundert  in den Händen der von Ebens. Später wurde Dorotheus von Gladys der Besitzer von der Krypta, wie auch von ganz Rosen/Rożnów. Er verkaufte jedoch sein Landgut im Jahr 1862 an die Familie Treu, die es bis zum Anfang des 2. Weltkrieges besaß. Heute ist die Pyramide das Eigentum der Pfarrei Skalung/Skałągi, die jedoch nicht fähig ist, die Renovierung des Gebäudes zu finanzieren. Zu der Pfarrei gehören nämlich zwei historische Kirchen, die unterhalten werden müssen und für die das meiste Geld ausgegeben wird. 

Wird das Gebäude, wo seit 2005 nichts gemacht wurde, noch irgendwann renoviert? „Wenn es um die Zukunft der Pyramide geht, habe ich keine Ahnung, ob etwas geplant wird. Weitere Untersuchungen wären nicht nur möglich, sondern auch sehr interessant, doch dafür musste man das Geld finden, wie auch für die Renovierung der Krypta, die ein außergewöhnliches Denkmal ist und unbestreitbar eine große Sehenswürdigkeit“, bedauert Prof. Kwiatkowska. Aus ihren Berichten folgt, dass die örtlichen Bewohner sehr an ihren Arbeiten interessiert waren. Doch alltäglich, wenn man an ihr nicht arbeitet, ist sie nur ein Teil der Landschaft von Rosen/Rożnów.

Obwohl dieser Ort in vielen Internetquellen erwähnt und beschrieben wurde, ist die Pyramide unter Touristen, wie auch umliegenden Bewohnern immer noch unbekannt. Nach einer Renovierung könnte sie eine tolle und interessante Attraktion sein, die viele Menschen nach Rosen/Rożnów anziehen würde. Doch wenn man nicht versucht, sie zu retten, kann sie bald aus der Rosener Landschaft verschwinden. Und zusammen mit ihr wird auch die Aura des Geheimnisvollens, die das heutige Rosen/Rożnów umweht, verschwinden. 

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