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Samstag, 20. April 2019
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In der Woiwodschaft Niederschlesien befindet sich eine Kleinstadt, die eine schreckliche Geschichte verbirgt. Vor vielen Jahrhunderten, als Ząbkowice Śląskie noch Frankenstein hieß, geschah dort ein Verbrechen, das bis heute noch Grauen erregt. Es war die Affäre um die Totengräber, die im fast ganzen damaligen Deutschland  bekannt war und sogar von Mary Shelley, der Autorin von Frankenstein, als Inspiration angesehen werden sollte. Hat der Frankenstein aus Ząbkowice jedoch wirklich etwas mit dem bekannten Monster zu tun?

Die Totengräberaffäre 

Die schöne und ruhige Stadt in Niederschlesien, die den Touristen hauptsächlich wegen des Schiefen Turmes bekannt ist, verbirgt eine faszinierende aber auch düstere Geschichte. Ząbkowice Śląskie, die Ortschaft, die heute in Polen liegt, hieß seit dem 13. Jahrhundert bis 1945 Frankenstein. Jerzy Organiściak, Historiker und Reiseführer erklärt, dass die Stadt von Franken gegründet und benannt wurde. Obwohl man den Namen eher mit der Kreatur von Mary Shelley verbindet als mit einer Kleinstadt, ist die Geschichte vom niederschlesischen Frankenstein genauso schrecklich. Im Jahr 1606 herrschte in der Stadt die Pest, infolge der ein Drittel der Bewohner (also mehr als 2000 Personen!) verstarb. Keiner hatte es geahnt, dass zu der Verbreitung der Seuche Menschen beigetragen haben, weswegen sie fast ein Jahr andauerte. Es stellte sich heraus, dass eine Bande der Totengräber überall ein tödliches Pulver verstreute, das man aus menschlichen Leichen zubereitete. Ahnungslose Bewohner der Stadt haben also die verseuchten Türklingeln oder Türen angefasst und sind schnell an der Pest erkrankt.

In der Stadtchronik „Annales Francostenenses“ hat der damalige Bürgermeister, Martin Koblitz die Festnahme der Schuldigen beschrieben. Aus seinem Bericht folgt, dass man am 10. Oktober unter dem Verdacht der Giftzubereitung Wacław Förster und Jerzy Freidiger, die seit Jahren in Frankenstein als Totengräber arbeiteten, festnahm. Vier Tage später hat man auch einen ehemaligen Gefangenen mit dem Nachnamen Weiber und den Totengräber Kacper Schleiniger verhaftet. Am 16. September kam auch der Bettler Kacper Schetts dazu. Anfang Oktober klagte man Zuzanna Maß, Magdalena Urszula und Małgorzata, die Frau von Schetts an. In der Augsburger Zeitung „Newe Zeytung“ konnte man damals lesen, dass die Bande nicht nur die Bewohner Frankensteins vergiftete, sondern sie auch bestahl, Leichen enthäutete, Bäuche schwangerer Frauen aufschlitzte und die Herzen ihrer ungeborenen Kinder verschlang. Die Gang soll auch Kirchen beraubt und  außerdem soll einer der Angeklagten den Körper einer Frau entehrt haben. Die pulverisierten Leichen sollten angeblich auch zur Praktizierung von Magie genutzt worden sein.

Während die Vorwürfe von Diebstahl noch als glaubwürdig erscheinen, ist es schwer zu glauben, dass diese Personen wirklich Herzen ungeborener Kinder aßen oder Leichenpulver für Zauberei nutzten. Laut Jerzy Organiściak konnten diese Vorwürfe entstehen, weil der Autor des Textes sehr kreativ den Artikel verfasste oder die Angeklagten es selbst während der Folter zugaben. Dies hatte für sie jedoch sehr schlimme Folgen. Alle Angeklagten bekamen ein Todesurteil durch Verstümmelung und Verbrennung. Laut „Newe Zeytung“ wurde jeder von ihnen erst durch die Stadt herumgeführt, dann begann man sie mit glühenden Zangen zu enthäuten und ihre Daumen abzureißen. Wacław Förster und einem seiner Helfer hat man die rechten Hände abgeschnitten und an einen Pfosten gebunden. Durch das Anzünden des Feuers in unmittelbarer Nähe der Angeklagten wurden sie in furchtbaren Qualen wortwörtlich lebendig gebraten. Dem Totengräber, der den Körper einer Frau entehrt hat, hat man das männliche Geschlechtsteil abgerissen und ebenfalls lebendig gebraten. Den Rest der Angeklagten hat man auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Obwohl die Personen, die für die Verbreitung der Pest verantwortlich waren, hingerichtet wurden, verschwand sie aus Frankenstein erst Anfang des Jahres 1607.

Das Monster aus Frankenstein

Nach der Hinrichtung hat der evangelische Pfarrer, Samuel Heinitz für die Bewohner Frankensteins Dankespredigten zum Besiegen der Pest gehalten. Diese Ansprachen wurden später in Leipzig in Form eines Buches herausgebracht, was einen großen Einfluss auf die Verbreitung und Popularisierung der Geschichte der Totengräberbande hatte. In den Predigten selbst bezeichnete Heinitz die Pest als das Handeln eines „Teuflischen Jägers - Frankenstein“, was in seinem Vorhaben eine Metapher war, die das Böse verkörperte. Die Menschen Interpretierten es jedoch als das Handeln von etwas übernatürlichem. Das war die Geburtsstunde der Legende über das Frankensteinmonster, das so viele Menschen umbrachte.

 

 

Inspiration für Mary Shelley

Konnte der Frankenstein aus Ząbkowice Śląskie jedoch Inspiration für Mary Shelley, die Autorin des bekannten Werkes „Frankenstein oder der moderne Prometheus“, sein? Jerzy Organiściak ist der Meinung, dass dies eine Streitfrage sei. Viele sind der Meinung, dass Shelley die Geschichte aus Frankenstein dank dem Artikel in „Newe Zeytung“, der die Geschichte der Totengräber berühmt machte, kennen musste. Diese Ereignisse fanden jedoch 200 Jahre früher statt. Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass die Autorin selbst zu dieser Geschichte gelingen konnte. Organiściak ist der Meinung, dass die Geschichte am Ende des 18. Jahrhunderts einem kleinen Kreis von Personen bekannt war, die sich für seltsame Erscheinungen, Geister und schwarze Magie interessierten. Einer von ihnen war Jan Polidori, der Schöpfer des Vampirismus, der an einer Séance in der Villa Diodati am Genfer See teilnahm, wo er Shelly traf. Ob sie jedoch wirklich dort die Geschichte aus Frankenstein hörte und sich an ihr inspirierte, um ihr eigenes Werk zu schreiben, ist nach Organiściak nur eine Hypothese. Die Quelle ihrer Inspiration liegt eher am Schloss Frankenstein in Deutschland, wo der Hexenmeister Dippel lebte. „Wenn wir jedoch das Buch von Mary Shelley lesen, können wir zumindest zwei Verweise auf  die Geschichte der Totengräber finden. Erstens, das Ausgraben von Leichen an Friedhöfen und die Zubereitung von Gift (obwohl man in “Newe Zeytung” von etwas lesen kann, was auf die Schaffung eines Monsters hinweisen kann). Zweitens: der Name Frankenstein. Wir haben also zwei Analogien“, stellte Jerzy Organiściak fest. Was inspirierte Mary Shelley also zum Kreieren des Frankensteins? Das bleibt bis heute ein Geheimnis, das sie mit ins Grab nahm.


Stadtpanorama

Frankenstein heute

Heute kann man in Ząbkowice Śląskie Verweise auf die Geschichte von Frankenstein finden. Viele von ihnen betreffen jedoch das bekannte Monster und nicht die Stadt selbst, wo solch fürchterliche Ereignisse stattfanden. Erst dank Jerzy Organiściak hat sich die Stadtverwaltung für die Geschichte der Totengräberbande interessiert. „Seit der Hälfte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts, als sich diese Geschichte popularisierte, begann man sie für Marketingziele zu benutzen, um Touristen anzulocken und die Aufmerksamkeit auf die Stadt zu lenken. Heute haben wir in der Stube der regionalen Andenken (poln. Izba Pamiątek Regionalnych) ein Frankensteinlabor und eine Gerichtskammer, wo man sich einen Film über diese Geschichte und ihre Anknüpfung an den Roman von Mary Shelley ansehen kann“.  Die Bewohner von Ząbkowice Śląskie erzählen gerne über Frankenstein und sind auf ihre Stadt und Geschichte stolz. Im Frankensteinlabor können Besucher im Kellergeschoss das Labor des Monsterschöpfers besichtigen, wie auch die Geschichte der Totengräberbande und ihre Anbindung an den fürchterlichen Frankenstein kennenlernen. Die Stadt veranstaltet auch seit einigen Jahren ein Wochenende mit Frankenstein, eine Veranstaltung, die viele Fans des Horrors und gruseligen Geschichten anlockt. Während der zwei Tage der düsteren Feier haben die Besucher die Möglichkeit, an Vorführungen von Gruselfilmen und Workshops teilzunehmen, ihre Lieblingsbands auf der Bühne live zu hören oder ein Gruselhaus zu besuchen, wo man auf jeden Fall Gänsehaut bekommen wird.

Beim Ausflug nach Ząbkowice Śląskie lohnt es sich die Stube der regionalen Andenken (poln. Izba Pamiątek Regionalnych) zu besuchen, die sich mit dem Frankensteinlabor im Renaissancestil gebauten Hof des Ritters Kauffung befindet. Heute kann man dort 18 Räume voller Andenken und Ausstellungen erkunden. Besucher können sich Exponate ansehen, die mit der Archäologie der Region in Verbindung stehen, aber auch alte Waffen, eine Thora, die aus der Synagoge in Frankenstein stammen soll, und Gebrauchsgegenstände aus den Zeiten der Volksrepublik Polen bewundern. Natürlich dank dem sich im Kellergeschoss befindenden Frankensteinlabor, fehlt bei der Besichtigung ein kleiner Grusel nicht. Eine Besichtigung am Hof des Ritters Kauffung ist also eine wahre Reise durch die Geschichte der Stadt.


Der Schiefe Turm von Frankenstein

Aber was kann man außer Frankenstein in der Stadt noch finden? „In Ząbkowice Śląskie befinden sich viele interessante Denkmäler. Das wichtigste Symbol der Stadt ist der Schiefe Turm, der am meisten geneigte Turm in Europa (2,14 cm) nach dem Turm von Pisa“, sagt Jerzy Organiściak. Wieso baute man jedoch einen Turm, dank dem man die Stadt das „schlesische Pisa“ nennt, weiß man bis heute nicht. Man glaubt, dass er noch vor der Gründung der Stadt als Teil eines Schlosses gebaut wurde. Eine andere Version der Geschichte besagt, dass er die Funktion eines Stadttores hatte. Die dritte Hypothese spricht von einem Glockenturm der Pfarrkirche, der bis zum 2. Weltkrieg noch funktionieren sollte. Woher kommt jedoch die Neigung? Man glaubt, dass der Schiefe Turm schief wegen tektonischer Beben ist, erste von ihnen sollten bereits am 15. September 1590 stattgefunden haben. Nach einer anderen Version ist die Bodenaufweichung der Grund für die Neigung. Am interessantesten ist jedoch die Legende, in der das schlesische Pisa mit Absicht schief gebaut wurde. Nach dem großen Stadtbrand im 1858, als der höchste Teil des Turmes zerstört wurde, hat man eine Expertise durchgeführt. Es sollte sich herausstellen, dass die Neigung des Gebäudes eine Verwirklichung der Fantasie der Baumeister war, die die Stadt attraktiver für Touristen machen wollten. Angeblich konnte man noch im 19. Jahrhundert auf den Mauern des Turmes  die Aufschrift „Ich heiß Johannes Gleiß, hab diesen Turm schief gebaut mit Fleiß“ lesen. Doch nach dem Umbau der höchsten Etage, verschwand die Aufschrift für immer. Heute ist das Gebäude, das 34 m hoch ist, eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt.


Schloss in Kamieniec Ząbkowicki 

Das Spukschloss

Das Schloss in Ząbkowice Śląskie wahr vermutlich öfter eine Ruine als eine Festung. Gebaut an der Wende des 13. und 14. Jahrhundert wechselte es oft ihre Besitzer, die immer wieder das Barockgebäude wiederaufbauten. Im 16. Jahrhundert wurde sie das Eigentum von Karl I. von Münsterberg, der die Festung im Renaissancestil umbaute. Doch obwohl das Gebäude restauriert wurde, blieb es immer noch ein wichtiger Punkt in Waffenkonflikten. Im Laufe der Jahre wurde es also immer wieder vernichtet, bis man es im Jahr 1728 verlies. Im Jahr 1784 brach auch noch ein Feuer im Schloss aus. Seitdem bleibt die Festung eine Ruine. Heute können Besucher den Teil, den man rekonstruiert hat, umsonst besuchen. Obwohl die Festung, die von den Bewohnern Schloss Frankenstein genannt wird, als eine Ruine kategorisiert wurde, hinterlässt sie immer noch einen großen Eindruck und lädt zum Besuch ein. Mit diesem Ort ist auch eine Legende verbunden. Das Schloss soll von verschiedenen Geistern bewohnt sein. Vor langer Zeit an einem Karsamstag spazierte ein junger Schuster namens Jakub, der von allen Bewohnern der Stadt sehr gemocht wurde, entlang der Ruinen des Schlosses. Am südlichen Teil der Festung sah er auf einmal ein wunderschönes Mädchen im Fenster. Diese bat ihn am Ostermontag vor Mittag wiederzukommen, einen goldenen Schlüssel auszugraben und die kleinste Tür im Untergeschoss zu öffnen. Jakub wollte die Bitte des Mädchens erfüllen, also kam er am angewiesenen Tag zurück, grab den Schlüssel aus und ging ins Untergeschoss. Doch bevor er dort ankam, versperrte ihm ein Drache den Weg und verschlang den Schlüssel. Weil Jakub nicht aufgeben wollte, entschied er sich das Biest zu bekämpfen. Während des Kampfes schlug die Rathausuhr 12.00 Uhr. Nach dem letzten Schlag war Jakub alleine, der Drache verschwand und im Untergeschoss konnte man ein lautes Weinen hören. Es stellte sich heraus, dass das Ungeheuer in Wirklichkeit das von ihrer Stiefmutter verzauberte Mädchen war. Einmal in 100 Jahren hatte sie die Chance den Fluch aufzuheben, wenn eine Person mit einem reinen Herzen alle Hindernisse überwindet und die kleinste Tür im Schloss öffnet. So blieb das Mädchen im Schloss gefangen und wartet auf ihre Befreiung bis heute.

Jerzy Organiściak betont, dass Ząbkowice Śląskie noch viel mehr zu bieten hat. Dazu zählen ein paar Kirchen, ein neogotisches Rathaus, wie auch die Park- und Schlossanlage im nahegelegenen Kamieniec Ząbkowicki, die man definitiv besuchen muss. Obwohl die Stadt viel mehr ist, als nur der altdeutsche Name, erfreut sie sich hauptsächlich dank ihm großer Beliebtheit. Es ist auch nicht verwunderlich, denn der Nervenkitzel, den man beim Hören der Geschichte der Totengräberbande zum ersten Mal spürt, zieht jeden an. Und selbst die geringe Chance, dass Mary Shelley davon inspiriert ihr großes Werk schrieb, erfüllt mit Stolz nicht nur die Bewohner von Ząbkowice Śląskie. Letzten Endes, wer konnte es ahnen, dass das fürchterliche Ungeheuer Frankenstein aus einem kleinen, niederschlesischen Ort kommen konnte?

 

 

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