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Donnerstag, 17. Oktober 2019
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Foto: Museum Czar PRL
Foto: Museum Czar PRL

Warteschlangen vor den Geschäften, leere Regale, Grau, Braun und Grün, Lichtwerbung, Orangenduft, Polonez, Fiat 126p und Syrenka, und Zeichentrickfilme - “Miś Uszatek”, “Bolek i Lolek” und “Reksio” - so lauten die Konnotationen der Polen, wenn man sie nach der Volksrepublik fragt. Selbst diese Worte bringen ein inkohärentes Bild dieser Zeit. Schauen wir uns das faszinierende Erinnerungsmosaik genauerer an.  

Jede Medaille hat zwei Seiten

Die Zeitspanne zwischen 1952 und 1989 hat sich unterschiedlich im Bewusstsein der Polen eingeschrieben - genau so verschieden sind die heutigen Meinungen zu diesem Thema, wovon zum Beispiel die stets von Neuem angefangene Diskussionen über das Abreißen des Kulturpalastes - “Gabe der sowjetischen Nation an die polnische Nation” - zeugen. Es ist unmöglich über die Volksrepublik Polen zu sprechen, ohne die Ereignisse in Betracht zu ziehen, die die vergangenen Jahrzehnte geprägt haben, und ohne sich Gedanken über das alltägliche Leben jeden Einzelnen zu machen. Kann man überhaupt über einer Epoche sagen, dass sie eindeutig gut oder schlecht war? Bei vielen Menschen handelt es sich hier, um ihre Jugendzeit, die positive Erinnerungen hervorruft. Es reicht sich heute in Warschau ein wenig umzuschauen, um festzustellen, dass die Zeiten der Volksrepublik Polen kein Tabuthema sind. Während eines Spaziergangs durch die Stadt kann man sowohl die sozialistische Architektur bewundern, wie auch neue Plätze finden, die von diesen Zeiten inspiriert sind. Man findet Versuche, die damalige Ästhetik aufzugreifen und die charakteristische Atmosphäre wiederzugeben, damit jeder der Lust hat, sich an die alten Zeiten erinnern kann, und junge Menschen, wie auch ausländische Touristen verstehen können, wie damals das Leben ausgesehen hat - mit seinen guten und schlechten Augenblicken.  

 

 

“Der Zauber ist nicht immer gut”

Zu solchen Plätzen gehört das Museum Czar PRL. “Zeiten des Kommunismus berührten jede polnische Familie, im größtenteils negativ. Repressionen wurden angewendet, die Freiheit der Bürger wurde eingeschränkt”, erzählt Katarzyna Andrzejewska. “Trotz Einführung der sozialistischen Ideologie, waren die sozialen Unterschiede sehr groß. Daher die Idee für das Museum. Wir wollten einen Dialog beginnen, um uns gemeinsam zu erinnern und Andenken vor Zerstörung zu schützen. PRL, trotz der schmerzhaften Ereignisse, ist eine Epoche, die man nicht aus der Geschichte wegradieren kann”. Kann man wirklich über einen “Zauber” dieser Zeit sprechen, so wie der Name des Museums es andeutet? (pl. Czar, dt. Zauber). “Ein Zauber ist nicht immer gut, deshalb zeigen wir sowohl die positiven, wie auch die negativen Seiten der Epoche. Man muss aber bedenken, dass in diese Zeitspanne, die Kinder- oder Jugendzeit vieler von uns fällt - erste Liebe, Freundschaften, Sommerferien, viele fröhliche Erinnerungen. Damals gab es noch keine Smartphones, die Menschen haben viel Zeit miteinander verbracht - mit der Familie, Freunden, Nachbarn. Das ist der Grund, wieso sich so viele Menschen mit Schwermut an diese Zeiten erinnern und sie sogar vermissen.“

Foto: Museum Czar PRL

Wie ich erfahre, veranstaltete die Institution am Anfang Ausflüge mit alten Nysa durch die Hauptstadt Polens, aber so eine Rundfahrt reichte nicht, um den Touristen genau zu zeigen, was die Volksrepublik Polen, auf Polnisch zu PRL abgekürzt, bedeutet. “Das Museum entstand dank einer privaten Initiative. Wir brauchten eben einen solchen Ort und haben uns entschieden, ihn zu gründen. Außerdem sind wir der Meinung, dass man sich um die Vergangenheit und Geschichte kümmern soll. Die Sammlung entstand am Anfang aus unseren privaten Gegenständen. Als die Menschen von unserem Museum erfuhren, brachten sie ihre eigenen Sachen und Sammlungen, die sie oftmals geerbt oder beim Aufräumen gefunden haben. Sie wollten, dass wir sie vor Vergessenheit bewahren.” Beim Anblick der Ausstellung wird die Vergangenheit greifbar und das Bild, welches man sich aus Büchern oder dem Internet gemacht hat, vollkommener. Als ob alle im Museum gesammelten Gegenstände wie fehlenden Mosaikelemente wären. Auf einmal stehen wir in einer Wohnung, die wie aus der vergangenen Zeit rausgenommen scheint und die Einrichtung lässt keine Zweifel zu. Dank dem Museumsführer und der Ausstellung werden die Geschichten über Geld, Lebensmittelmarken und die Bürgermiliz (MO) lebendig. “Wir werden von Menschen aus aller Welt besucht, die an der Geschichte der Volksrepublik Polen interessiert sind. Die Einstellung der älteren und jüngeren Gäste ist unterschiedlich. Die ältere Generation kommt hauptsächlich, um zurück zu denken, die jüngere, um etwas zu lernen”, erklärt Katarzyna Andrzejewska. “Der Mehrheit der ausländischen Gäste fällt es schwer sich vorzustellen, dass man in so kleinen Wohnungen leben, seine Kleider selbst nähen konnte und stundenlang in Warteschlangen stehen musste, um etwas zu essen zu bekommen. Geschichten und Gegenstände, die man in unserem Museum hört und sieht, sind für manche Personen wie nicht aus dieser Welt”.  

 

 

PRL - Retro und aktuell

Das Interesse an vergangenen Zeiten - auch an diese nicht sehr entfernten - ist ein altes Phänomen. Es gibt Sammler von alten Käfern, dem Symbol des deutschen Wirtschaftswunders, und es gibt Personen, die das Internet durchsuchen, um das ideale Kleid im Stil der 50er zu finden. Wie steht es mit PRL? “Die Mode kommt zurück und wir können auch über Mode und die Gegenstände aus der Zeit der Volksrepublik Polen sprechen”, gibt Katarzyna Andrzejewska zu. Dahinter versteckt sich wohl der Grund, weshalb das Museum manche Elemente seiner Sammlung ausleiht. “Kleidung, Brillen, Möbel und Autos sind zurückgekommen. Möbel aus dieser Zeit kosten viel Geld und unser alter guter Maluch wird für Unsummen verkauft. Geschirr, dass früher in jedem Haushalt zu sehen war und für nichts Besonderes gehalten wurde, nimmt einen Ehrenplatz in manchen Wohnungen ein. Omas große Sonnenbrille ist nicht mehr eine totale Blamage!” Tatsächlich, die findet man jetzt an jeder Ecke.  

Foto: Pijalnia Wódki i Piwa

Die Rückkehr in Räumlichkeiten aus Zeiten des PRL machen auch Bars und Restaurants möglich. In Warschau findet man einige davon. Woher kam aber die Idee? “Wir sind in eine andere Richtung gegangen und haben nicht den Trend auf moderne bunte Räume, wo man exotische Drinks aus mehreren Komponenten serviert, befolgt”, erzählt Paweł Kuberski, Spezialist für Marketing der Barkette Pijalnia Wódki i Piwa. “Unsere Motivation war der Wunsch, die alten Bars aus Zeiten der Volksrepublik Polen, also der 70er Jahre - mit typischem schnellen Konsumangebot - im modernen Geist wiederzubeleben. Das Menü ist eigentlich an alle gerichtet, aber es sollte vor allem junge Menschen ansprechen, für welche dies eine kulinarische Zeitreise in eine Epoche ist, die sie nur aus Erzählungen kennen. Pijalnia Wódki i Piwa ist keine treue Kopie solcher Bars, sondern eine stilistische Anknüpfung, die sich in den Trend von Bars und Restaurants platziert, die schon bei der Eröffnung so aussehen, als ob sie benutzt wurden. Ein bisschen Vintage mit modernen Standards, wie Klimaanlage und Elektronik, die gut in alten Radios und Fernsehern, in der Küche und anderen Elementen der Einrichtung aus den 70er versteckt ist”, erklärt weiter Paweł Kuberski und gibt zu, dass das Interesse mit der ersten Bar, die 2011 in Krakau eröffnet wurde, seine Erwartungen übertroffen hat. Das Restaurant in Warschau ist eins von vielen in Polen. 

Foto: Pijalnia Wódki i Piwa

Der Teufel steckt im Detail 

Die Liebe zum Detail in Pijalnia Wódki i Piwa ist beeindruckend. Die Wände sind mit Zeitungen aus den 70er ausgelegt, hier und dort entdecken wir Alltagsgegenstände - alte Flaschen, Spielzeug, Zigarettenschachteln, Arbeiterschilder oder Motoposter und auf dem Bildschirm des Fernsehers werden alte Filme gezeigt. Aus den Lautsprechern erklimmen Hits der 80er Jahre. Hier kann man schnell etwas bei der Bar essen, oftmals stehend. “Wir wollten Erinnerungen an Orte und Plätze wecken, wo damals Gäste auf einen ,schnellen’ Wodka und Imbiss vorbeikamen, mit Freunden bei einem Glas Bier plauderten, einfach an Restaurants aus der vergangenen Epoche, für welche alle viel Sympathie haben”, erzählt Paweł Kuberski. Hier finden wir auch andere Speisen dieser Zeit - “zimne nóżki”, “śledzik” oder Tatar. “Diese Speisen waren unsere Inspiration für das Menü - einfache Rezepte, die die Zeit beim Wodka oder Bier verherrlichen.”

Einzigartige Stimmung finden wir auch in Lamperia, wo - gemäß des Namens - die Wände mit Lamperie bedeckt und mit Tüpfelfarn und Postern dekoriert sind. Man kann hier sogar eins von vielen Kult-Büchern lesen. “Wir wollten zu den alten Zeiten zurückkehren - als das Essen noch einfach war, hausgemacht, frisch und aus polnischen Zutaten”, sagt Agnieszka Brodziuk aus Lamperia, und zählt als typische Speisen der Volksrepublik Polen, wie etwa Quarkklöße, Kartoffelpuffer, Pausbacken, Rote-Rüben-Suppe und litauischen Borschtsch auf. “In unserem Menü sind klassische polnische Speisen zu finden. Es gibt Schabowy (Schweinekotelett), Sauermilch mit Eiern, Leber, Buletten… Natürlich haben wir auch die Quarkklöße. Alles wird mit Leidenschaft vorbereitet”, versichert Agnieszka Brodziuk.  

Foto: Lamperia

Betonstadt Warschau

Man hört ab und zu, dass die Hauptstadt Polens grau und aus Beton sei, was sie der Regierung der Volksrepublik Polens zu verdanken hat. Katarzyna Andrzejewska bestreitet diese Feststellung. Man muss aber in Erwägung ziehen, dass die Volksrepublik Polen 40 Jahre bestand - eine Zeitspanne, in der viel geschah und Warschau, genau wie das ganze Land, erbaut wurde, ein Wirtschaftswunder erlebte und auch eine Krise erlitt. “Warschau war nie eine graue sozialistische Betonstadt und sie war auch nicht hässlich”, sagt Andrzejewska und es fällt schwer ihr nicht Recht zu geben, wenn man die Fotos aus den 70er sieht. “Hier war ständig etwas los. Die Stadt lebte und erstrahlte mit vielen Farben. Die Menschen besorgten sich die ersten Fernseher, die am Abend leuchteten”, malt Andrzejewska die damalige Zeit vor meinen Augen. “SuperSam, der Kultur- und Wissenschaftspalast, Märkte, Milchbars, Restaurants und Kneipen - das waren die Highlights des Kommunismus. Wir haben keinen Grund uns zu schämen.” Diese bunte - oder eher kontrastvolle - Stadt kann man während der Ausflüge im Museum Czar PRL erleben. “Unsere größte Attraktion ist die Rundfahrt ,Warschauer Abenteuer’ (pl. ,Warszawska Przygoda’). Wir zeigen den Gästen Orte, die sie nicht in allen Reiseführern finden werden. Jüdisches Warschau, der Stadtbezirk Praga… und dann gibt es Mittagessen in einer Milchbar - so bleibt die Zeit stehen.”

Zeiten der Volksrepublik Polen spalten noch heute die Meinungen. Die Epoche wird aber aufs Neue entdeckt. Das Echo der vergangenen Zeit ist im ganzen Land zu hören, aber Warschau ist der beste Ort, um sie zu verstehen und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. 

 

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