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Montag, 10. Dezember 2018
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Foto: Tomasz Łaskowski
Foto: Tomasz Łaskowski

Mitten im Wald in der Nähe einer kleinen masurischen Ortschaft namens Rapa / Angerapp, rund zwei Kilometer von der russischen Grenze entfernt, steht eine Pyramide. Seit Jahren sorgt sie für Neugier und regt die Fantasie an. Die ewige Frage, was sie verbirgt versuchten schon Viele zu beantworten - beginnend bei Schatzsuchern bis zu Forschern, die hier komplexe Untersuchungen durchführten. Pikanterie verleiht der Geschichte auch die Tatsache, dass im Inneren kopflose mumifizierte Leichen ruhen... 

Im Laufe der Zeit sind viele Legenden und faszinierende Geschichten rund um die Pyramide in Rapa / Angerapp entstanden. Viele von ihnen darf man nicht ernst nehmen, denn entweder fehlen dafür die Beweise oder sie wurden einfach ausgedacht. Je mehr wir in das Thema und die Geschichte des Mausoleums eintauchen, desto mehr Fragen entstehen. Zahlreiche Rätsel konnten bereits Marta Bura und Janusz Janowski - Spezialisten aus dem Institut für Archäologie an der Universität Warschau auflösen. 2015 hat man eine Forschungsreise mit Archäologen, Historikern aber auch Ethnographen, Anthropologen und Forstwirten durchgeführt. Dank den Forschungsarbeiten, die mithilfe neuester Technologien durchgeführt wurden, konnte man einige Mythen fallen lassen aber gleichzeitig hat man auch einige neue und interessante Hypothesen aufgestellt. 

 

 

Wer war der Auftraggeber? Wer war der Architekt? 

Laut den Forschern der Warschauer Universität und dem Museum der Volkskultur in Węgorzewo / Angerburg wurde die Pyramide höchstwahrscheinlich zwischen 1792 und 1795 erbaut und nicht 1811, wie man früher angenommen hatte. Der Auftraggeber war der Besitzer des Gutshofs in Rapa (früher Klein Angerapp) - Johann Friedrich Wilhelm von Fahrenheid, der damals als der reichste Mensch von Ostpreußen galt. “Die Pyramide in Rapa erinnert stark an den Eiskeller aus dem Neuen Garten in Potsdam, der zwischen 1791 und 1792 erbaut wurde. Der Auftraggeber der Pyramide also Johann Friedrich Wilhelm von Fahrenheid, war ein guter Bekannter von Friedrich Wilhelm II., dem König von Preußen. Nur drei Wochen nach dem Herrschaftsantritt von Friedrich Wilhelm II. bekam Fahrenheid den Adelstitel. Die beiden teilten auch dieselben religiösen und philosophischen Anschauungen, beide waren auch Freimaurer. Das Bauwerk von Angerapp wurde auch auf der Schroetterschen Landesaufnahme mit der Bezeichnung «Bergäbniss» erfasst”, sagte Dr. Jerzy Łapo, der auch bestätigte, dass J.F.W. von Fahrenheid mit dem aus Gdańsk/Danzig stammenden Daniel Gabriel Fahrenheit dem Erfinder von Messinstrumenten, verwandt war. 

Von wem der Entwurf der Pyramide war, weiß man bis heute nicht. Anfangs wurde dies dem bekannten Bildhauer Bertel Thorvaldsen zugeschrieben, doch dies waren nur Vermutungen. “Die Legende von Bertel Thorvaldsen entstand anhand von mehreren Irrtümern. Dieser außerordentliche Künstler schaffte die Statue der Hoffnung, die an dem Begräbnis von Ulrich von Salpius in Uljanowskoje (früher Klein Beynuhnen) auf einer hohen Säule stand. Salpius war der Freund von Fritz von Fahrenheit, dem Enkel von Johann. 1888 wurde der Leichnam von Fritz neben seinem Liebhaber und im Schatten der Statue der Hoffnung begraben. Die Pyramide von Angerapp könnte dieselbe Person entworfen haben, wie die, die den Eiskeller in Potsdam entworfen hat. Das Bauwerk wurde aber von den örtlichen Maurern erbaut”, erklärt Łapo.


Foto: Tomasz Łaskowski

Ein Eiskeller oder ein Gruß an die Freimaurer?

Die Entstehungsgeschichte des Mausoleums sorgte und sorgt immer noch für viele Zweifel und Bedenken. Jahrelang glaubte man, dass das Bauwerk wegen der Ägyptomanie von Johann von Fahrenheid erbaut wurde und eine Nachbildung der Cheops-Pyramide darstellt. Die wohl älteste Legende besagt, dass ein Familiendrama der Grund für die Entstehung des Bauwerks war. Im Alter von drei Jahren verstarb wegen Scharlach die Tochter des Barons von Frahrenheid - Ninette. Das Mädchen soll erkrankt sein, nachdem es die goldene Statue von Anubis aus der Kollektion ihres Vaters berührt hatte. Dieser galt als ein leidenschaftlicher Sammler aller Art von Kunst, als Weltbummler und als ein Bewunderer des Alten Ägyptens. Diese beiden Mythen werden von der Forschung widerlegt. Spezialisten aus dem Institut für Archäologie an der Universität Warschau haben einen 3D-Scan durchgeführt und bestätigten, dass die Winkel in Angerapp nicht dem Winkel aus dem Alten Ägypten entsprechen. “Bis zum Jahr 1802 ist nur eine Person in der Familie Fahrenheid gestorben. Das war Fridericke, die Frau von Johann, die 1795 verstarb. Ich glaube, dass damals die Pyramide bereits fertig gebaut war. Sie sollte als ein EiskelFoto: Tomasz Łaskowski ler dienen, der am Sumpf gleich am kleinen See stand. Sie wurde jedoch zu einer exzentrischen Grabstätte“, so Dr. Łapo. Eine andere These besagt, dass die Pyramide mit den Freimaurern in Verbindung steht. Johann von Fahrenheid war der Finanzberater der königlichen Freimaurerloge “Zu den drei Kronen”, dementsprechend kann man hier nichts ausschließen. 

Welche These liegt der Wahrheit am nächsten? “Die erste steht nicht im Widerspruch zu der zweiten. Die Aufklärungsbewegung der zweiten Hälfte des 18. Jh. harmonierte mit der Entwicklung der Freimaurer. Damals griffen die Eliten in ganz Europa rege nach dem Erbe der Antike. Das betraf auch die Parkanlagen und deren Infrastruktur. Alltägliche Bauten wie Gartenlauben, Orangerien, Eiskeller etc. bekamen oft eine Form oder eine Verzierung, die an die Antike knüpfte. Zum Altertum, vor allem in Bezug auf Ägypten, griffen gerne auch Freimaurer. So entstanden Eiskeller in Form von Pyramiden, wie etwa im französischen Chambourcy”, sagt Dr. Łapo und fügt gleich hinzu “Die Hypothesen, die ich aufgestellt habe, brauchen noch eine Bestätigung und müssen weiter erforscht werden, vor allem in deutschen Archiven. Das ist die Zukunft. Bislang hat man sich darauf konzentriert, die Pyramide zu sichern und zu renovieren”. 

 

 

Mumien aus Angerapp 

Eine weitere der vielen Legenden rund um das Mausoleum endet ebenfalls mit keinem Happy End. Diese besagt, dass der älteste Sohn des Barons sich in die Tochter eines Kaufmanns aus Königsberg verliebt hat. Leider wollte ein Teil der Familie die Beziehung nicht akzeptieren. Jegliche Versuche sie umzustimmen scheiterten und so kam der junge von Fahrenheid auf die teuflische Idee diese Familienmitglieder, die seiner Beziehung widersprachen auf ein Mittagessen einzuladen, um sie mit Pilzen zu vergiften. Das Unglück wollte es, dass die Mahlzeit ein Tag früher serviert wurde und infolgedessen sieben Familienmitglieder ums Leben kamen. Nicht aber der Fahrenheid Senior, der sich auf einer Reise befand. Nach seiner Rückkehr fand er sieben Leichen, die er später im Mausoleum bestatten ließ. 

Anthropologische Forschungen bestätigten, dass in der Grabstätte tatsächlich fünf Erwachsene und zwei Kinder ruhen. Man weiß jedoch nicht, wer das zweite Kind ist. Dieser Frage versucht Dr. Jerzy Łapo nachzukommen. “Noch konnte man das zweite Kind nicht identifizieren. Ich habe auch immer größeren Zweifel, ob es uns gelingt die Personalien aller hier begrabenen Leute festzulegen. Kirchenbücher wären hier sehr hilfreich, aber diese sind anscheinend nicht erhalten geblieben. In der Pyramide wurden wahrscheinlich nicht nur die Särge der Familie Fahrenheid, sondern auch anderer Personen des Stammes bestattet, wie Bujack und Altenstadt. Diese Familien verwalteten Angerapp und Klein Beynuhnen nach 1888. Das verstorbene Kind könnte Teil dieser Familien gewesen sein”. 

Ungewöhnlich und überraschend ist auch die Tatsache, dass die Leichen einer Mumifikation unterlagen. So werfen sich die Fragen auf, warum und wie so etwas passieren konnte. Waren dafür spezifische Bedingungen in der Pyramide verantwortlich? Eine Antwort hat auch diesmal Dr. Łapo parat: “Die Leichen, die in der Pyramide ruhen, unterlagen einer natürlichen Konservierung, die auf der Austrocknung des Weichteilgewebes beruht. Nach dem Krieg wurden die Kanäle, die die Luftzirkulation erzwungen haben, zugeschüttet, was das Mikroklima im Inneren der Pyramide veränderte. Andere Feuchtigkeits- und Lüftungsbedingungen zusammen mit ständigem Öffnen der Särge hat dazu geführt, dass Pilze und Schimmel auf den Mumien zu finden sind”. 

Foto: Tomasz Łaskowski

 

“Fluch des Pharaoss” auch in Angerapp? 

Mit Sicherheit hat jeder etwas von dem “Fluch des Pharaos” gehört. Der Legende nach wird jeder Eindringling, der die ewige Ruhe des Pharaos stört, um sein Leben kommen. Ein neues Leben verpassten diesem Aberglauben die Medien auf der ganzen Welt nachdem 1922 Howard Carter und George Carnarvon das Grab von Tutanchamun gefunden haben. 1923 schnitt sich Lord Carnarvon beim Rasieren versehentlich eine Wunde nach einen Moskitostich auf. Es folgte eine Blutvergiftung, Erysipel (Wundrose) und eine Lungenentzündung, die zum Tod des Lords führte. Eine der Theorien besagt, dass hinter dem Todesfall ein gefährlicher Schimmelpilz aus dem Grab des Pharaos stand. 

Interessanterweise gab es eine täuschend ähnliche 76 #Stories #Stories 77 Oktober 2018 Legende auch in Angerapp, mit dem Unterschied, dass sie sich auf die ewige Ruhe der Familie von Fahrenheid bezogen hat. Einheimische glaubten, dass jeder der ins Mausoleum eindringt, mit fürchterlichen Konsequenzen rechnen muss. Zusätzlich fanden Forscher heraus, dass die Skelettüberreste eine krebserregende Substanz beinhalten. Wie viel hat das Ganze mit der Wahrheit zu tun? “Der Fluch ist ein eigentümlicher Mythos. Eine vor Jahren ausgedachte Geschichte, die nur der Sensation und Geheimnistuerei diente, die ihr eigenes Leben lebt, vor allem in Sachen Popkultur. Tatsache ist aber, dass der Aufenthalt in verschimmelten Räumen niemals der Gesundheit diente. «Verdienste» haben die Fahrenheids hier also keine “, versichert Dr. Łapo. 

 

 

Strahlung aus der Erde und aus dem Weltall 

Ein Geheimnis aber auch eine Tatsache ist die geografische Lage der Pyramide, die laut Radiästhesisten auf einer sogenannten Ley-Linie liegt. Auf die Grabstätte soll angeblich die Erde- und Weltallenergie strahlen. Zusätzlich befindet sich das Bauwerk auf derselben Route, wie etwa die Wolfsschanze, also das einstige Hitlerquartier. Kann man im Inneren des Mausoleums die kosmische Strahlung fühlen? “Dieser Platz sorgt für viele Emotionen und Empfindungen, aber ich merke in Angerapp keine außergewöhnliche Energie. Wie soll man diese auch messen? Die Strahlung, die von manchen in Bovis-Einheiten ausgedrückt wird, ist wissenschaftlich nicht zu verifizieren”, erklärt Dr. Łapo. 

Kopflose Mumien Schockierend ist die Tatsache, dass jemand ins Mausoleum eingedrungen ist und den Leichen die Köpfe abgetrennt hat. Jahrelang fragte man sich, wer hinter dieser Tat stand. Auch hier gibt es eine Legende. Eines Tages wurde das ganze Vieh in der Umgebung von der Pest umgebracht. Jemand verbreitete ein Gerücht, dass für die Seuche die Leichen im Mauso - leum verantwortlich sind, denn diese seien angeblich böse Mahren. Einheimische haben schnell die Geschichte aufgegriffen und suchten nach einem Weg, wie man die Mahren loswerden könnte. Jemand hatte die Idee, dass die Abtrennung der Köpfe die Sache erledigen würde… Mit aller Sicherheit ist dies eine der unwahrscheinlichsten Legenden, die jemals rund um die Pyramide entstanden sind. Ihre Quelle ist auf einen belletristischen Roman aus den Anfängen des vergangenen Jahrhunderts zurückzuführen. 

Andererseits ist es kein großes Geheimnis, dass während des I. und II. Weltkriegs das Mausoleum mehrmals Entweihungen ausgesetzt war. Soldaten der Kaiserlich Russischen Armee und der Roten Armee Foto: Tomasz Łaskowski Foto: Tomasz Łaskowski Foto: Tomasz Łaskowski plünderten das Bauwerk. Ihren Beitrag leisteten auch die Einwohner der nahen gelegenen Ortschaften und Schatzsucher. “1977 wurden die Köpfe abgetrennt und die Leichen zum ersten Mal entehrt. Junge Männer in «Uniformen» (vielleicht aus den Corps für freiwillige Arbeit), die eingereist sind, um auf den Feldern Staatlicher Landwirtschaftsbetriebe auszuhelfen. Die letzten Schädelüberreste sollten in den 90er Jahren des 20. Jh. in der Pyramide gesichtet worden sein”, erklärt Dr. Łapo. 

Foto: Tomasz Łaskowski

Rettung der Pyramide

Die Forscher stellten auch eine beunruhigende Tatsache fest. Der Zustand des Bauwerks war dermaßen durch Vandalen beeinträchtigt, dass es vom Einsturz bedroht war. Zum Glück wurde die Baute vom Forstamt Czerwony Dwór (Rothebude) übernommen, das alles Mögliche tat, um das Bauwerk zu retten. “Wir konnten ein umfangreiches Netzwerk aufbauen, das die Forschung, die Architektur, den Denkmalschutz sowie die Verwaltung und das Forstamt zusammenbrachte. So konnten wir uns für diese Aufgabe gut vorbereiten. Die Dokumentation wurde vorbereitet und wir haben entsprechende Genehmigungen erhalten, aber aus von dem Forstamt unabhängigen Gründen, konnten wir keine externen Finanzmittel für die Rettung des Denkmals gewinnen. Da wir die Kosten für die Renovierungsarbeiten selbst übernehmen mussten, ist es uns gelungen, die Entscheidungsträger zu überzeugen, das Projekt aus den Mitteln der Staatswälder zu finanzieren. Die Gesamtmittel für das Projekt überschreiten 1. Mio. Złoty. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass die Kosten nochmal steigen könnten und wir wieder nach Finanzierungsquellen suchen müssen”, informiert Tomasz Łaskowski, der Sekretär des Forstamtes. Nach umfangreichen Vorbereitungen begannen die Renovierungs- und Konservierungsarbeiten am 17. Juli 2018 und sollen bis Ende Oktober umgesetzt werden. 

Dies ist eine hervorragende Nachricht, denn es ist nur schwer vorstellbar, dass ein solches einzigartiges Denkmal verschwindet. Andererseits bleiben immer noch viele Fragen offen, und viele Rätsel warten darauf, gelöst zu werden.

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