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Mittwoch, 12. Dezember 2018
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Notenblatt Foto: DOT / www.dolnyslask.travel
Notenblatt Foto: DOT / www.dolnyslask.travel

Im niederschlesischen Kamieniec Ząbkowicki (Kamenz), stieß der örtliche Pfarrer Wojciech Jarosław Dąbrowski vor einiger Zeit durch Zufall auf einen Schatz – aus Papier. Hinter der Orgel der Klosterkirche fand er alte Noten, Notizen und Zeitungsausschnitte, die dort offenbar seit Jahrzehnten versteckt waren. Die Notenblätter sind Teile barocker Musikstücke, die eigens für die Aufführung in dem einstmals sehr reichen Zisterzienserkloster entstanden waren. Dort waren sie von einem eigenen Orchester aufgeführt worden. Nun sollen die Werke am Ort ihrer Erstaufführung wieder erklingen. 

Zu Zeiten der Habsburger verfügten die Zisterzienserklöster in Niederschlesien über einen enormen Reichtum. Das Kloster in Kamieniec Ząbkowicki am Rande des Glatzer Berglandes wurde im 17. Jahrhundert neu erbaut, die gotische Klosterkirche barock überformt. In seiner Blütezeit konnte sich das Kloster ein eigenes Orchester leisten. Gespielt wurden Werke von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart, daneben wurden Stücke eigens für die Aufführung im Kloster in Auftrag gegeben. Mit dem Einzug der Preußen in Schlesien begann der Niedergang der Klöster. 1810 wurden sie säkularisiert. Kunstschätze, Archiv und Bibliothek des Klosters in Kamenz gingen an staatliche Museen. Von dem ehemaligen Orchester blieb nur eine Trommel vor Ort erhalten. Sieben Jahre später zerstörte ein Brand das Kloster und Teile der Kirche. Wie die wertvollen Noten die Zeit überdauerten, weiß heute niemand.


Pfarrer Dabrowski (Foto: DOT / www.dolnyslask.travel)

Nachdem der Pfarrer den Schatz entdeckt hatte, wurden die wertvollen Blätter gesichert, mit Hilfe des Staatsarchivs gereinigt und konserviert. Das deutsch-polnische Musikerpaar Magdalena und Thomas Cornelius sichtete auf Einladung des Pfarrers die Schätze. Thomas Cornelius ist einer der vielseitigsten Komponisten und Musiker seiner Generation und durch Auftritte in der Hamburger Elbphilharmonie bekannt, seine Frau, die Mezzosopranistin Magdalena Kornelius, leitet unter anderem das Niederschlesische Musikfestival. Die beiden Experten für Alte Musik versuchen nun, die Teile des Puzzles zu ordnen und fehlende Teile zu ergänzen. 


Notenblatt Foto: DOT / www.dolnyslask.travel

Ziel ist es, dass die alten Musikstücke wieder in Kamenz erklingen. Bereits im Dezember 2017 wurden im Rahmen des Niederschlesischen Musikfestivals Fragmente aus einem Werk des Wiener Komponisten Ignaz Assmayer aufgeführt. Da sein Stück „Offertorium Domine ne in furore tuo“ in Werkverzeichnissen des Künstlers nicht zu finden ist, dürfte es sich bei den Noten aus der Kamenzer Klosterkirche um Unikate handeln. Bereits 2019 sollen im Rahmen des Niederschlesischen Musikfestivals weitere rekonstruierte Musikstücke in Kamieniec Ząbkowicki wiederaufgeführt werden.

Kamieniec Ząbkowicki liegt rund 80 km südlich von Wrocław (Breslau). Neben der Zisterzienserkirche und Teilen des Klosters gibt es dort einen Palast der niederländischen Prinzessin Marianne von Oranien, dessen Bau nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erfolgte.

 

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