Die kaschubischen Steinkreise

Tief in einem Wald in der Kaschubei befinden sich Steinkreise, die man als das “polnische Stonehenge” bezeichnet. Man sagt, dass sie von Außerirdischen gebaut wurden und ihre Kraft Einfluss auf das Befinden von Menschen nehmen soll. Wie viel Wahrheit steckt jedoch dahinter? Darüber spricht mit PolenJournal.de Piotr Fudziński vom Archäologischen Museum in Gdańsk/Danzig. 

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Samstag, 06. Juni 2020
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In einer früheren Ausgabe habe ich bereits über meine heimliche Liebe Krakau berichtet. Das erste Mal als ich diese pulsierende wie auch romantisch daher kommende Stadt im Jahre 2014 erblickte, war ich ganz hin und weg und beim zweiten mal verliebt und ich habe mir geschworen, dass ich in diese Stadt zurückkehren werde, was ich auch weniger als 12 Monate später in die Tat umgesetzt habe. Es gibt viele Dinge, die einen an Krakau faszinieren und dazu führen, dass man immer wieder den Weg in diese Stadt sucht und findet. Allerdings hatte ich ebenso bereits erwähnt, dass ich seit einiger Zeit im Zentrum Polens, genauer gesagt in Lodz meinen Lebensmittelpunkt habe. Bei vielen Menschen führt dies erst einmal zu Irritationen. Jemand Schlaues sagte einmal: „Jede Stadt ist es wert in Ihr zu leben!“. Wenn man aber nun Lodz und Krakau vergleicht, was eigentlich nicht möglich ist, dann stellt sich Vielen die Frage, warum ich nun in dieser Stadt wohne, arbeite und lebe und nicht mehr im kosmopolitischen Krakau. Genau wie sich viele gefragt haben, weshalb es mich nach Polen und nicht nach Spanien oder England zog, möchte ich nun im Folgenden erläutern, was so besonders an einem Leben in Lodz ist. 

Ein verkanntes Talent im Schatten Warschaus

Den meisten Menschen in Deutschland ist Lodz aus dem Schlagerlied von Vicky Leandros aus dem Jahr 1974 geläufig: „Theooooooooo...wir fahr`n nach Lodz!“. Dies betrifft aber heutzutage auch nur noch eine bestimmte Gruppe von Menschen über 30. In diesem sehr markanten Lied wird Theo aufgefordert sich nach Lodz zu begeben, und zwar der Arbeit wegen. Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Lodz einen bis dato nie dar gewesenen Wirtschaftsaufschwung, welcher viele Menschen in die Stadt trieb, um in einer der vielen Textilfabriken Arbeit zu finden. Zu dieser Zeit befand sich Lodz noch im Russischen Reich, aber es siedelten sich überdurchschnittlich viele Deutsche oder Deutschstämmige an, darunter Karl Scheibler, welcher zu den größten Industriellen dieser Zeit zählte. Der mächstigste - und zeitweise reichste Mensch des Planeten – unter Ihnen war Izrael Poznanski. Über sein palastartiges Anwesen, welches heute das Stadtmuseum in Lodz beherbergt und seine Fabrik, die heutige Manufaktura, wurde im PolenJournal auch schon berichtet. In dieser Blütezeit entstanden viele ansehnliche Stadtvillen und Bürgerhäuser, die auch heute noch das Stadtbild prägen, wie auch die Piotrkowska, die Flaniermeile der Stadt, welche sich über 4 km von Nord nach Süd durch die Stadt zieht und damals als Zentralachse angelegt wurde, um die herum sich der Rest der Stadt aufbauen sollte. Auch heute ist die Straße immer noch das Zentrum und der Anziehungspunkt der Stadt. Nach der aufwendigen Renovierung im Jahr 2014 und 2015 ist der nördliche Abschnitt teilweise eine Fußgängerzone, was den Erholungswert steigerte und dazu beitrug, dass die Einwohner Lodzs mächtig stolz auf ihre Piotrkowska mitten im Herzen der Stadt sind. 

Abseits der Piotrkowska gibt es Viel zu entdecken

Jetzt würden einige Personen, wenn nicht sogar die meisten sagen, dass Lodz außer der Manufaktura und Piotrkowska nicht viel zu bieten hat. Das stimmt so ganz nicht, aber mit dem touristischen Charm und Reiz von Danzig oder Krakau kann Lodz bei Weitem nicht konkurrieren. Was drängt die Menschen also in diesen postindustriellen Moloch, der vom Strukturwandel der Wendezeit so stark mitgenommen wurde und nach einer neuen Identität sucht? Ein Freund aus Krakau beschrieb Lodz einst, als hätte die Stadt jahrelang in Flammen gestanden und das Feuer wäre erst vor Kurzem ausgegangen. Ganz so ist es auch nicht, allerdings steckt in dieser Aussage auch ein Funken Wahrheit, denn Lodz lag Jahre lang im Dornröschenschlaf und ist erst vor einiger Zeit richtig erwacht und verändert sich seit dem unglaublich rasant wie auch positiv. Das war einer der Gründe, weshalb ich mich, wie auch Theo, auf nach Lodz gemacht habe. Viele meiner Schüler waren enttäuscht, dass ich Sie zurück ließ, Sie konnten aber auch nicht nachvollziehen, wieso ich mich für Lodz entschied. Die Reaktion meiner damaligen Chefin war ähnlich und ihre Begründung äußerst simpel, und zwar dass Lodz schlicht hässlich sei. Dazu muss erwähnt werden, dass Lodz definitiv nicht die schönste Stadt der Welt ist und möglicherweise auch nicht mit dem Attribut schön beschrieben werden kann. Aber eines ist Lodz unbedingt, und zwar spannend und aufregend. Es gibt immer wieder sogenannte Hotspots in Europa. Eine Zeit lang zählte meine Heimatstadt Berlin dazu, immer wieder taucht der Name Budapest auf oder auch andere Ziele wie Vilnius oder manchmal Belgrad und natürlich die polnische Hauptstadt Warschau. Das sind alles Städte, die sich noch entwickeln, aber es sind auch alles Metropolen und Hauptstädte, die selbstverständlich unzählige Menschen anziehen. Es sind aber vor Allem auch überfüllte und sehr kostspielige Orte. Daher hat sich in letzter Zeit ein Trend durchgesetzt, dass man sich – nicht nur für den Urlaub – auch einmal in kleinere Ort begibt, frei nach dem Motto: Warum immer Paris, wenn nicht auch Toulouse oder warum nach Madrid, wenn Bilbao auch eine Menge zu bieten hat. Jeder der einmal in einer Metropole gewohnt hat, weiß die Vorzüge zu schätzen, aber ist sich auch sehr der Nachteile bewusst. Dazu zählen für mich ein Mangel an Wohnraum, überfüllte Straßen mit Menschen und Touristen sowie ein erhöhter Lärmpegel. In entwickelten Städten gibt es auch oft selten noch Raum für eine weitere Entwicklung, sei es räumlich wie auch kulturell. Genau das ist in Lodz anders. Aus der Not macht man hier eine Tugend. Als ich das erste Mal im Jahr 2014 nach Lodz kam und meine Partnerin mich vom Bus abholte, entschuldigte sie sich, dass ihre Stadt aktuell in einem erschreckenden Zustand sei, und das stimmte. Lodz glich einer einzigen riesigen Baustelle, wie ich es aus dem Berlin Ende der 90er Jahre kannte. Mein damaliger Polnischlehrer in Berlin hat Lodz einmal treffend beschrieben, als er sagte, dass Lodz im Schatten Warschaus Jahre lang, wenn nicht sogar Jahrzehnte lang vernachlässigt wurde. Allerdings wurde seit Beginn der 2010er Jahre versucht diesen Umstand zu beseitigen. Es wurden Straßen erneuert, Häuser renoviert und neu gebaut, die Parks verschönert und es siedelten sich immer mehr Firmen an, da Lodz zu einer Sonderwirtschaftszone deklariert wurde. Dies war wichtig, da die Nähe zu Warschau Fluch und Segen zu gleich ist. Man ist nicht weit von der Hauptstadt und seinen Vorzügen entfernt, allerdings zog Warschau auch die Menschen an, eher dort als in Lodz zu arbeiten. Viele Jahre lang sind Scharen an Menschen täglich nach Warschau gefahren, um dann abends erschöpft von der Arbeit nach Lodz zurückzukehren, weil es schlicht keine Arbeit in Lodz gab. Dies hat sich zum Glück geändert, auch weil zum Beispiel ein Großkonzern wie Rossmann sich entschied seine polnische Hauptniederlassung nicht nach Warschau oder in eine andere Metropole zu verlegen, sondern nach Lodz. Natürlich waren die steuerlichen Vergünstigen und die gute Lage ein entscheidender Standortvorteil, aber auch die geringeren Produktionskosten und ganz besonders die gut ausgebildeten jungen Menschen, die nun nicht mehr nach Warschau mussten, um ihr Glück zu finden. Es gab eine Zeit lang sogar Personalmanager, die mit einer Kanne Kaffee im Zug von Lodz nach Warschau morgens die Menschen ansprachen und diese bei einem Kaffee überzeugen wollten, doch lieber in Lodz zu arbeiten. Sie rechneten auch vor, dass es sich finanziell oft kaum auszahlt und man auch täglich bis zu 3 Stunden mit Pendeln verschwendet. Heute ist Lodz ein attraktiver Arbeitsort, an dem die Löhne regelmäßig steigen und sich immer noch viele Firmen ansiedeln und umso mehr Menschen aus dem Ausland.

Rom wurde auch nicht an nur einem Tag erbaut

Nach meinem ersten Besuch im Jahr 2014 kam ich regelmäßig nach Lodz und jedes Mal entdeckte ich eine weitere Straßenecke, die nun neu gestaltet war oder einen Park, der wieder erblühte. Die Stadt versprühte eine enorme Aufbruchsstimmung und tut es weiterhin. Finanziell ging es aufwärts, aber wie ich es auch in Berlin erleben musste, es dauert einfach eine Weile bis eine Stadt erneuert und revitalisiert ist. Allerdings bietet dies auch die Gelegenheit sich neu zu erfinden und sich ein neues Image zu verpassen. Dazu gehört auch die Aufwertung der Innenstadt. Nicht weit von der Piotrkowska entfernt wurde der alte Kopfbahnhof Fabryczna komplett umgestaltet und zum neuen Hauptbahnhof erklärt. Momentan erfüllt der Bahnhof noch nicht ganz seinen Zweck, da er noch nicht an das restliche Streckennetz angeschlossen ist, was aber in den nächsten Jahren nachgeholt wird und aus dem Kopfbahnhof wird ein Durchgangsbahnhof, was dazu führt, dass Lodz parallel auch gleich eine kleine U-Bahn erhält. Dann wird auch der manchmal menschenleere Bahnhof mit Leben gefüllt. Um den Bahnhof herum haben sich bereits neue Firmen angesiedelt und es wurden auch neue Apartmenthäuser gebaut, was dazu führt, dass die Gegend sich mehr und mehr zum neuen Zentrum entwickelt und man alles vorfindet, was man in einer Stadt benötigt. In diesem Zusammenhang stellt sich auch immer die Frage, was man von einer Stadt erwartet. Ein Schüler von mir aus Krakau fragte mich, ob ich allen Ernstes das kulturelle Leben Krakaus gegen Lodz eintauschen möchte. Auf meine Nachfrage stellte sich heraus, dass er selbst äußerst selten das kulturelle Angebot Krakaus nutze und es daher für ihn  auch nicht wichtig ist, dass es dieses Angebot besteht, aber es ist gut zu wissen, dass dieses Angebot existiert. Ich gehe gern ins Theater sowie in die Philharmonie, und das kann auch sehr gut in Lodz tun. Ich hatte auch ein Mal erwähnt, dass in Krakau immer eine gewisse Enge vorherrscht. Unabhängig davon, wo man sich befindet, ist man ständig irgendjemandem im Weg. Die Stadt ist einfach zu klein für all die Menschen. In Lodz dagegen hat man schlicht und einfach viel Platz. Es gibt auch weniger Touristen, was man alltäglich bemerkt. Auch wenn Touristen nichts Schlechtes bedeuten und Sie auch zum Leben sowie zum Einkommen einer Stadt beitragen und Lodz ein Paar mehr Touristen vertragen könnte, sind glaube ich doch alle Bürger sehr froh, dass sich am Wochenende keine Junggesellengruppen aus anderen Ländern ihren Weg über die Piotrkowska bahnen. 

Wo das Herz Zuhause ist

Die Transformation von Lodz ist lange noch nicht abgeschlossen und es wird auch noch einige Zeit dauern, bis man sagen kann, das Lodz fertig ist, was ja bekanntlich bei einer Stadt nie wirklich passiert. Man merkt aber wie die Menschen in Lodz immer stolzer auf ihre Stadt werden und die Einwohnerzahlen steigen. Es kommen, bedingt durch die guten Arbeitsmöglichkeiten, auch immer neue Bürger aus dem Ausland dazu. Selbstverständlich zieht es die Meisten zuerst nach Warschau oder Krakau, wie auch mich zuvor, auch weil der Start dort einfacher ist. Man trifft viele Gleichgesinnte und auch ohne Polnisch kann man sich verständigen. Natürlich beherrschen die Menschen in Lodz ebenfalls die englische Sprache, aber man ist mehr auf Polnisch angewiesen, was ich als Vorteil und Motivation ansehe. Man darf auch nicht außer Acht lassen, dass die Qualität der Arbeitsangebote in Krakau, Breslau, Poznan oder Warschau eine andere ist, aber mit der Zeit wird man auch in Lodz hochwertigere Stellen vorfinden. Ich hatte einmal ein sehr attraktives Angebot in Krakau, allerdings wäre meine Partnerin in Lodz geblieben, weswegen ich das Angebot nicht angenommen habe. Ich muss aber auch zugeben, dass ich Lodz ungern verlassen hätte und mir auch sicher bin, dass ich solch ein Angebot auch sehr bald in Lodz bekommen werde. Zumal ich die Stadt noch nicht komplett erkundet habe und so wie es aussieht, bekommt man in Lodz gefühlt fast täglich neue Möglichkeiten etwas Neues und einzigartiges zu entdecken. Lodz hat es verstanden seine Geschichte und somit seine alten Fabriken zum Vorteil zu nutzen. Es ist keine traurige Stadt, die unter der Deindustrialisierung leidet, sondern daraus einen Nutzen zieht, wie es auch Kattowitz, Gleiwitz aber auch das Ruhrgebiet in Deutschland getan haben. Wenn bald auch noch Berlin per Zug direkt zu erreichen ist, sehe ich keinerlei Veranlassung jemals wieder in einer anderen Stadt leben zu wollen. 

 

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