Die europäische Großgeräteindustrie ist in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent geschrumpft. Dennoch behauptet Polen seine Position als größter Produzent von Haushaltsgeräten (AGD) in der Europäischen Union. Gleichzeitig steht das Land weltweit auf Platz zwei unter den Exporteuren.
Im Jahr 2025 produzierte Polen insgesamt 26 Millionen Haushaltsgeräte. Davon entfielen über 23 Millionen Stück auf Großgeräte. Die Produktion lag damit vier Prozent unter dem Vorjahresniveau. Ursache ist unter anderem die Schließung mehrerer Werke im Land.
Gleichzeitig steigerte Polen seinen Anteil an der EU-Produktion von Großgeräten von 36 Prozent im Jahr 2024 auf 39 Prozent im Jahr 2025. Dieser Anstieg resultiert vor allem aus dem generellen Produktionsrückgang in der gesamten EU. Zunehmend ersetzt Importware die europäische Fertigung. Rund 44 Prozent der in der EU verkauften Großgeräte stammen inzwischen aus Nicht-EU-Staaten.
Starker Export – Deutschland wichtigster Absatzmarkt
Nahezu 60 Prozent der polnischen AGD-Produktion in der EU entfallen auf Waschmaschinen, Geschirrspüler und Wäschetrockner. Rund 90 Prozent der gesamten Produktion gehen in den Export. Wichtigste Absatzmärkte sind Deutschland, das Vereinigte Königreich und Italien.
Polen ist weltweit größter Exporteur von Wäschetrocknern mit einem Anteil von 31 Prozent. Zudem belegt das Land mit 20 Prozent Weltmarktanteil Platz eins beim Export von Geschirrspülern.
Der Branchenverband APPLiA Polska – Związek Pracodawców AGD und der Gesamtpolnische Verband der AGD-Hersteller – bewertet die Lage in seinem aktuellen Bericht differenziert. Die polnische Industrie halte das Vor-Pandemie-Niveau als zweitgrößter Lieferant von Großgeräten in die EU weiterhin stabil.
Wettbewerbsdruck durch hohe Kosten und Regulierung
Polnische und europäische Hersteller geraten jedoch zunehmend unter Druck durch Produzenten außerhalb der EU. Hohe Produktionskosten, darunter Zölle auf Rohstoffimporte sowie Belastungen durch das Emissionshandelssystem ETS und den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM, verschlechtern die Wettbewerbsbedingungen. Hinzu kommen wachsende regulatorische Anforderungen.
Wojciech Konecki, Präsident von APPLiA Polska, fordert deshalb faire Wettbewerbsbedingungen. Es müsse einerseits Chancengleichheit für europäische Produzenten geben. Andererseits solle Verbrauchern weiterhin Zugang zu modernen Angeboten aus Fernost offenstehen. Politik und Wirtschaft müssten hier ein Gleichgewicht finden. Besonders bei ETS1 und CBAM fehle derzeit diese Balance.
Konsumausgaben steigen – Air Fryer als Trendprodukt
Nach Schätzungen von APPLiA Polska gaben Verbraucher im Jahr 2025 rund 19,6 Milliarden Zloty Brutto für Haushaltsgeräte aus. Das entspricht einem Anstieg von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Mengenmäßig sank der Absatz von Großgeräten jedoch um ein Prozent. Dagegen wuchs der Markt für Kleingeräte um neun Prozent. Dieses Segment macht inzwischen fast 40 Prozent der gesamten Verbraucherausgaben für AGD aus.
Als klarer Verkaufsschlager erwiesen sich 2025 Heißluftfritteusen (Air Fryer). Mehr als eine Million Geräte wurden verkauft.
Branche schlägt staatlichen AGD-Bonus vor
Angesichts der Marktentwicklung bringt die Branche neue Förderinstrumente ins Gespräch. Wojciech Konecki spricht sich für einen staatlichen Bonus beim Kauf von Haushaltsgeräten aus. Ein solcher Gutschein könne Haushalte bei der Modernisierung unterstützen und zugleich die heimische Industrie stärken.
Damit rückt die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Hausgeräteindustrie weiter in den Mittelpunkt. Polen bleibt zwar Marktführer in der EU, steht jedoch vor strukturellen Herausforderungen.
Quelle: money
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