Das Polnische Wirtschaftsinstitut hat einen Bericht über die wirtschaftlichen Effekte der EU-Mitgliedschaft vorgelegt. Grundlage ist ein Modell, das die tatsächliche Entwicklung Polens mit einem hypothetischen Szenario ohne EU-Beitritt vergleicht.
Die Ergebnisse fallen deutlich aus. Demnach hat Polen bis 2024 rund 42 Prozent an zusätzlichem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf gewonnen. Ohne den Beitritt zur Europäischen Union läge das reale BIP des Landes etwa 30 Prozent niedriger und entspräche dem Niveau des Jahres 2015.
Gemeinsamer Markt als zentraler Wachstumstreiber
Die Ökonomen erklären die Vorteile vor allem mit dem Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Dieser erleichtert den Handel und internationale Investitionen. Gleichzeitig verbessert er die institutionellen Rahmenbedingungen.
Für die Analyse nutzten die Forscher reale Daten in konstanten US-Dollar statt Kaufkraftparitäten. Dadurch lässt sich die internationale wirtschaftliche Stärke Polens besser abbilden. Dennoch zeigen auch Berechnungen auf Basis der Kaufkraftparität vergleichbare Vorteile der EU-Mitgliedschaft.
Vergleich mit hypothetischem Szenario
Die Studie basiert auf der sogenannten „Synthetic-Control“-Methode. Dabei entsteht ein Vergleichsmodell eines hypothetischen Polens. Dieses setzt sich aus 22 Ländern zusammen, die vor dem EU-Beitritt ein ähnliches Entwicklungsniveau und vergleichbare wirtschaftliche Merkmale aufwiesen.
Diese Staaten dienen als Referenzgruppe. Sie ermöglichen es, die wirtschaftliche Entwicklung ohne EU-Mitgliedschaft realistisch abzuschätzen.
Gewinne bleiben stabil – trotz Krisen
In allen untersuchten Szenarien zeigt sich ein klarer Vorteil der EU-Mitgliedschaft. Der geschätzte Zugewinn im Jahr 2024 liegt zwischen 22 Prozent im konservativsten und 61 Prozent im optimistischsten Szenario. Im Durchschnitt beträgt er rund 42 Prozent des BIP pro Kopf.
Das Institut betont, dass diese Ergebnisse kein statistischer Zufall sind. Vielmehr handelt es sich um einen systematischen Effekt.
Polen profitiert weiterhin vom Zugang zum Binnenmarkt. Besonders der Außenhandel und ausländische Investitionen treiben das Wachstum weiter an. Allerdings dämpfte die Energiekrise im Jahr 2023 diese positiven Effekte vorübergehend. Im Jahr 2024 erreichte der wirtschaftliche Nutzen jedoch wieder das Niveau von rund 42 Prozent.
Quelle: BI
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