In Polen hält die Debatte über die Einführung des Euro seit Jahren an. Eine aktuelle Untersuchung des Beratungsunternehmens Grant Thornton zeigt jedoch einen klaren Stimmungsumschwung in der Wirtschaft.
Die Unterstützung für die europäische Gemeinschaftswährung ist unter Unternehmen auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung gefallen. Während im Jahr 2011 noch 85 Prozent der befragten Unternehmer den Beitritt zur Eurozone befürworteten, liegt dieser Wert im Jahr 2025 nur noch bei 23 Prozent. Gleichzeitig lehnen 66 Prozent der Unternehmen die Einführung des Euro ab.
Unternehmen zeigen wachsende Zurückhaltung
Die Ergebnisse verdeutlichen eine klare Haltung: Eine deutliche Mehrheit der Manager mittelständischer und großer Firmen sieht den Euro nicht mehr als wünschenswertes Ziel.
Als Gründe nennen die Studienautoren vor allem:
- makroökonomische Unsicherheiten
- Erfahrungen aus vergangenen Krisen
- Sorgen über den Verzicht auf die eigene Währung
Diese Faktoren führen zu einer zunehmenden Vorsicht in der Wirtschaft.
Unterschiede zwischen mittelständischen und großen Unternehmen
Die Haltung zum Euro unterscheidet sich je nach Unternehmensgröße. Bei mittelständischen Firmen (50–249 Beschäftigte) unterstützen nur 21 Prozent die Einführung, während 67 Prozent dagegen sind. Bei großen Unternehmen (ab 249 Beschäftigten) liegt die Zustimmung bei 33 Prozent, während 60 Prozent ablehnend sind.
Damit zeigt sich auch bei größeren Unternehmen keine Mehrheit für den Euro.
Stabiler Zloty schwächt Argumente für den Euro
Ein wichtiger Faktor für den Rückgang der Unterstützung ist vermutlich die Stabilisierung des polnischen Zloty im vergangenen Jahr.
Das zentrale Argument für die Einführung des Euro – die Verringerung von Wechselkursschwankungen – hat dadurch an Bedeutung verloren.
Zweifel an einer baldigen Einführung
Die Studie zeigt nicht nur Skepsis gegenüber dem Euro selbst, sondern auch Zweifel an einer zeitnahen Einführung.
- Nur 4 Prozent der Befragten halten eine Einführung bereits in den Jahren 2027–2028 für möglich.
- 14 Prozent sehen eine Chance für den Zeitraum 2029–2031.
Damit geht weniger als ein Fünftel der Unternehmen davon aus, dass Polen vor 2032 der Eurozone beitritt.
Am häufigsten nennen die Befragten ein anderes Szenario. 34 Prozent glauben, dass Polen den Euro überhaupt nicht einführen wird. Weitere 15 Prozent erwarten eine Einführung frühestens in zehn Jahren.
Auch Bevölkerung bleibt skeptisch
Eine zusätzliche Umfrage des Instituts SW Research für das Magazin Wprost zeigt ein ähnliches Bild in der Bevölkerung:
- 34 Prozent der Polen glauben an eine Euro-Einführung bis 2035
- 49,6 Prozent halten dies für unwahrscheinlich
- 16,3 Prozent sind unentschlossen
Die Befragung wurde im November 2025 durchgeführt. Sie umfasste 100 Eigentümer sowie Vorstandsmitglieder mittelgroßer und großer Unternehmen in Polen.
Quelle: wprost
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