Die Zugreise von Warszawa / Warschau nach Berlin stellt Fahrgäste seit mehreren Wochen auf eine harte Probe. Grund sind umfangreiche Bauarbeiten auf deutscher Seite der Grenze.
Züge von PKP Intercity enden derzeit in Frankfurt (Oder). Von dort fahren Ersatzbusse weiter nach Berlin. Dadurch hat sich eine früher komfortable direkte Verbindung in eine deutlich längere Reise mit Umstieg verwandelt.
Lange Wartezeiten und schlechte Koordination
Die Ersatzverkehre funktionieren nicht immer reibungslos. Wartezeiten von bis zu einer Stunde kommen regelmäßig vor. Insgesamt kann sich die Reisezeit um bis zu 2,5 Stunden verlängern.
Ein Fahrgast berichtet, dass der Bus nicht wie erwartet am Ostbahnhof hielt, sondern am Berliner Hauptbahnhof endete. Dadurch entstand zusätzlicher Zeitverlust für die Weiterfahrt innerhalb der Stadt.
Auch der Komfort lässt zu wünschen übrig. In einem Bus blieb die Toilette wegen eines Defekts geschlossen. Zudem verzögerte sich die Abfahrt, weil der Fahrer auf einen verspäteten Zug wartete.
Großbaustellen in Deutschland
Die Probleme hängen direkt mit umfassenden Modernisierungsarbeiten auf der Strecke zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) zusammen.
Der Infrastrukturbetreiber DB InfraGO AG erneuert Gleise, Oberleitungen und Brücken. Ziel ist eine höhere Kapazität und schnellere Verbindungen. Parallel werden durch die Bauarbeiten auch Bahnhöfe wie Berlin-Köpenick und Fangschleuse modernisiert.
Da die Strecke zeitweise nicht vollständig befahrbar ist, enden internationale Züge vorzeitig. Ersatzbusse bleiben deshalb unvermeidlich.
Reisezeiten spürbar verlängert
Die Auswirkungen sind deutlich. Die Zugverbindung von Warszawa / Warschau nach Berlin dauert inzwischen statt gut fünf Stunden bis zu sechseinhalb Stunden. Auch andere Städte sind betroffen: Von der polnischen Ostseeküste verlängert sich die Fahrt auf über sieben Stunden, und selbst von Wrocław / Breslau kann die Reise bis zu fünfeinhalb Stunden dauern.
Der Chef von PKP Intercity, Janusz Malinowski, bezeichnet die Situation als unvermeidliche Folge der Bauarbeiten.
Weitere Einschränkungen an Wochenenden
Neben den langfristigen Bauarbeiten kommt es zusätzlich zu kurzfristigen Sperrungen an ausgewählten Wochenenden. Reisende müssen dann besonders aufmerksam planen.
Betroffen sind folgende Termine:
- 24.–27. April
- 1.–4. Mai
- 18.–21. September
- 16.–19. Oktober (zusätzlich Einschränkungen in Polen, Züge enden in Rzepin)
An diesen Tagen enden Züge ebenfalls früher, und der Umstieg auf Busse ist notwendig.
Weitere Sperrungen im Jahresverlauf
Auch im weiteren Jahresverlauf bleibt die Lage angespannt. Für 2026 sind mehrere längere Sperrphasen vorgesehen:
- 30. Januar – 9. März
- 10. Juli – 24. August
- 27. November – 11. Dezember
Während dieser Zeiträume gilt umfassender Ersatzverkehr oder es werden Umleitungen geprüft.
Modernisierung dauert noch Jahre
Die Bauarbeiten werden nicht kurzfristig abgeschlossen sein. Nach aktuellen Planungen soll die Modernisierung erst im Februar 2028 beendet sein.
Einzelne Projekte laufen unabhängig weiter. Die Arbeiten in Fangschleuse sollen bis Dezember 2026 abgeschlossen werden. Der Bahnhof Berlin-Köpenick wird bis Dezember 2027 für den Regionalverkehr angepasst.
Alternative Routen in Prüfung
Die polnische Seite prüft derzeit mögliche Alternativen. Diskutiert werden Verbindungen über Kostrzyn / Kostschin und die sogenannte Ostbahn sowie Routen über Wrocław / Breslau und Horka. Konkrete Entscheidungen stehen jedoch noch aus.
Die Zugverbindung zwischen Polen und Deutschland verliert derzeit deutlich an Attraktivität. Die Reise dauert länger, erfordert Umstiege und bietet weniger Komfort. Sowohl polnische als auch deutsche Fahrgäste reagieren mit wachsender Kritik auf die Situation.
Quelle: fakt
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