Mit Unterstützung seines deutschen Verlegers

Nike Literaturpreis 2026: Szczepan Twardoch gewinnt mit “Null”

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Szczepan Twardoch hat den Nike-Literaturpreis 2026 gewonnen. Die Jury der 30. Ausgabe einer der wichtigsten polnischen Literaturauszeichnungen prämierte seinen Roman „Null“. Der Schriftsteller erhält eine Nike-Statue des Bildhauers Gustaw Zemła sowie ein Preisgeld von 100.000 Zloty. Auch die Leser entschieden sich für Twardoch. Damit gewann er den Nike-Literaturpreis und den Nike-Leserpreis.

Der Preisträger wurde am Sonntag, dem 4. Oktober, bei einer feierlichen Gala in der Universitätsbibliothek in Warszawa / Warschau bekannt gegeben. Ausgezeichnet wurde Twardochs Roman „Null“.

Twardoch beschreibt den Krieg ohne Romantisierung

„Null“ spielt vor dem Hintergrund des andauernden Krieges in der Ukraine. Im Mittelpunkt steht Koń, ein Pole, der in der ukrainischen Armee als Drohnenpilot dient. Der Titel „Null“ bezeichnet die unmittelbare Frontlinie.

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Für den Roman griff Twardoch auf eigene Erfahrungen bei Aufenthalten in der Ukraine sowie auf Geschichten zurück, die er von Soldaten gehört hatte. Die Figuren und Ereignisse sind jedoch fiktiv. Der Schriftsteller wollte den Krieg so realitätsnah wie möglich darstellen. Auf eine Romantisierung der Front und eine einfache Einteilung in Helden und Gegenspieler verzichtete er bewusst.

Witold Bereś, Vorsitzender der Jury, betonte in seiner Laudatio: „Twardoch lehnt die letzten Überreste einer romantischen Erzählung über diesen Krieg ab: die Erzählung von reinem Heldentum, einem unvermeidlichen Sieg und einer unerschütterlichen polnisch-ukrainischen Brüderlichkeit“.

Der Kontext des Krieges sei zwar für die Wirkung des Buches wichtig. Er allein erkläre jedoch nicht die Auszeichnung. „Gute Literatur wächst immer aus einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Ort“, sagte der Juryvorsitzende. In diesem Spiegel zeigten sich nicht nur Heldentum, Solidarität und große Worte, sondern auch Angst, Verbissenheit und Grausamkeit. „Aber dieser Kontext entscheidet sicherlich nicht über den Preis für ‚Null‘. Denn es handelt sich um hervorragende Literatur“, so Bereś.

„Das ist das Wichtigste, was ich geschrieben habe“

Nach der Preisverleihung erklärte Szczepan Twardoch, „Null“ sei für ihn ein besonderes Buch. „Ich denke, dass dies das Wichtigste ist, was ich geschrieben habe. Ich weiß nicht, ob es das Beste ist, denn ich bin nicht dafür zuständig, meine eigene Prosa zu beurteilen. Aber es ist das Wichtigste, weil ‚Null‘ aus einer Verbindung vieler Umstände entstanden ist, die mich zu diesem Roman geführt haben“, sagte der Schriftsteller.

Der Krieg sei schon lange eines der Themen in seinem literarischen Werk. Die russische Invasion in der Ukraine habe ihn jedoch deutlich näher an das Geschehen gebracht. „Als dieser Krieg so nahe ausbrach, begann er mich mit einer magnetischen Anziehungskraft zu sich zu ziehen, der ich mich nicht entziehen konnte“, sagte Twardoch.

Bei der Entstehung des Romans habe auch seine eigene Entwicklung als Schriftsteller eine Rolle gespielt. Twardoch bezeichnete sich als gereiften Autor, der seit einem Vierteljahrhundert schreibt. Die zuvor gesammelten Erfahrungen und Fähigkeiten hätten ihm geholfen, sich in der Realität des Krieges zurechtzufinden. Dadurch habe er auch engere Beziehungen zu Menschen aufbauen können, die mit der Front verbunden sind.

Keine politische Botschaft, sondern der Versuch, Wahrheit zu erzählen

Besonders deutlich stellte Twardoch klar, dass „Null“ nicht als Roman für eine bestimmte politische Sache und auch nicht als literarisches Manifest entstanden sei. „Das ist kein Roman, der für irgendeine Sache geschrieben wurde. Dieser Roman hat keine Sache, er hat keine These. Es ist kein Roman, der für etwas kämpft. Es ist ein Roman, der geschrieben wurde, um die Wahrheit zu sagen, weil ich glaube, dass genau das die Aufgabe der Literatur ist“, erklärte der Autor.

Das bedeute jedoch nicht, dass ihm der Krieg gleichgültig sei. „Ich glaube sehr an diese Sache. Ich glaube an den Sieg der Ukraine. Aber in dieser Sache tue ich andere Dinge, die auch Sie tun können und zu denen ich Sie ermutige. Ich versuche weiterhin, die militärischen Anstrengungen dieses Staates zu unterstützen. Literatur ist jedoch etwas völlig Eigenständiges. Literatur ist etwas anderes“, sagte Twardoch.

Er fügte hinzu: „Ich glaube, dass wir kein besseres Mittel haben, um über die menschliche Verfassung nachzudenken, als den Roman. Ich glaube sehr an diesen Roman.“

Dank an den deutschen Verleger und an Helfer an der Front

Twardoch dankte nach der Preisverleihung auch den Menschen, ohne deren Unterstützung „Null“ nicht hätte entstehen können. Dazu gehörte unter anderem sein deutscher Verleger. Dieser habe ihm die Idee nahegelegt, ein Buch über den Krieg zu schreiben.

Außerdem dankte der Schriftsteller Hanna Grudzińska und dem Team des Verlags Marginesy. Besonders hob er Monika Andruszewska hervor. „Monika ist der mutigste Mensch, den ich kenne. Monika ist seit zwölf Jahren in diesem Krieg, und ohne Monika hätte dieser Roman nicht entstehen können. Monika war meine Führerin durch diese schwierige, gefährliche und vor allem äußerst komplizierte Welt der Front“, sagte Twardoch zum Abschluss.

Sieben Bücher standen im Finale

Für die diesjährige Ausgabe des Nike-Literaturpreises hatte die Jury zunächst 20 Bücher nominiert. Im September wurde die Liste auf sieben Titel verkürzt.

Im Finale standen:

  • „Nie koniec, nie początek. Powojenne wybory polskich Żydów“ von Anna Bikont,
  • „Zmartwychwstanki“ von Dorota Grabek,
  • „Wnyki dla światła“ von Justyna Kulikowska,
  • „Najmądrzejszy. Biografia Sokratesa“ von Krzysztof Łapiński,
  • „Urodziny“ von Weronika Murek,
  • „Tylko durnie żyją do końca“ von Zyta Rudzka,
  • „Null“ von Szczepan Twardoch.

Zweiter Nike-Leserpreis für Twardoch

Noch vor der Entscheidung der Jury stand bereits der Gewinner des Nike-Leserpreises fest. In der Abstimmung setzte sich Szczepan Twardoch mit „Null“ durch.

Für den Schriftsteller ist es bereits der zweite Nike-Leserpreis. Den ersten erhielt er 2013 für seinen Roman „Morfina“.

Nike-Literaturpreis wird seit 1997 vergeben

Der Nike-Literaturpreis wird seit 1997 für das beste Buch des jeweils vorangegangenen Jahres vergeben. Zugelassen sind Werke aus unterschiedlichen literarischen Gattungen. Dazu gehören unter anderem Romane, Gedichtbände, Reportagen, Essays, Biografien und Memoiren. Der Gewinner erhält 100.000 Zloty sowie eine vom Bildhauer Gustaw Zemła entworfene Statue.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Olga Tokarczuk, Wiesław Myśliwski, Dorota Masłowska, Jerzy Pilch, Mariusz Szczygieł und Joanna Bator. 2025 ging der Nike-Literaturpreis ebenfalls zusammen mit dem Leserpreis an Eliza Kącka für ihr Buch „Wczoraj byłaś zła na zielono“.

Quelle: wp

Foto: facebook / Biblioteka Uniwersytecka w Warszawie

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