Szczecin / Stettin baut das Projekt „Turystyka Dostępna“ („Barrierefreier Tourismus“) aus. Ziel ist es, den Besuch der Stadt für Menschen mit Behinderungen, Senioren, Familien mit kleinen Kindern und alle Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu erleichtern. Im Rahmen des Programms wurden bereits sechs touristische Routen entwickelt. Außerdem gibt es eine spezielle Karte, welche die Kommunikation mit gehörlosen und schwerhörigen Menschen erleichtern soll.
Immer mehr Touristen besuchen Szczecin / Stettin
Szczecin / Stettin wird zunehmend für Kurzreisen, sogenannte City Breaks, ausgewählt. Nach Angaben des Unternehmens Selectivv verbrachten 2025 rund 1,3 Millionen Menschen mindestens eine Nacht in der Stadt. Damit stieg die Zahl im Vergleich zu den Vorjahren um 10,5 Prozent.
Mit der wachsenden Beliebtheit stellt sich jedoch auch die Frage, ob das touristische Angebot für alle Besucher zugänglich ist.
Genau hier setzt das Projekt „Turystyka Dostępna“ an. Es soll ein Informations- und Servicesystem schaffen, das Menschen mit Behinderungen, Senioren, Familien mit kleinen Kindern und anderen Menschen mit besonderen Bedürfnissen die Planung ihres Aufenthalts erleichtert.
Sechs spezielle Routen durch Szczecin / Stettin
Zu den ersten Ergebnissen des Projekts gehören sechs touristische Routen, die auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten sind. Bei ihrer Planung wurden unter anderem der Streckenverlauf, die Zugänglichkeit einzelner Orte und mögliche Hindernisse berücksichtigt. Auch Lösungen für ein sicheres und komfortableres Sightseeing flossen in die Planung mit ein.
Die Routen führen unter anderem über den Zentralfriedhof, durch die Różanka sowie den Eckerberger Wald und durch das historische Zentrum von Szczecin / Stettin. Die Strecken wurden von dem Blogger „Odlotowy Niewidomy“ getestet.
Parallel dazu entsteht eine Datenbank mit Orten, die auf die Bedürfnisse verschiedener Besuchergruppen eingestellt sind. Dazu gehören unter anderem Hotels, Restaurants, touristische Attraktionen und Wanderwege mit zusätzlichen Einrichtungen. Die Datenbank ist bereits auf der Website Visit Szczecin im Bereich „Szczecin dostępny“ („Barrierefreies Szczecin“) verfügbar. Sie soll künftig weiter ausgebaut werden.
„Dank zuverlässiger und überprüfter Informationen können Menschen mit Behinderungen, Senioren, Familien mit kleinen Kindern und alle, die zusätzliche Einrichtungen benötigen, ihren Aufenthalt in Szczecin leichter planen“, sagt Olga Łozińska, Projektkoordinatorin bei Żegluga Szczecińska Turystyka Wydarzenia.
Ireneusz Nowak, Vorstandsvorsitzender von ŻSTW, ergänzt: „Unser Ziel ist es zu zeigen, dass man Szczecin ohne unnötige Hindernisse entdecken kann. Wir unterstützen die Idee eines barrierefreien Tourismus, indem wir geprüfte Informationen bereitstellen. Sie helfen dabei, komfortabler, sicherer und mit größerer Sicherheit zu reisen.“
Eine A4-Karte soll die Kommunikation erleichtern
Ein weiteres Element des Projekts ist die „Szczecińska Karta Komunikacji z osobami g/Głuchymi i słabosłyszącymi“, also eine Kommunikationskarte für gehörlose und schwerhörige Menschen. Das einfache Hilfsmittel soll die Verständigung in Situationen erleichtern, in denen die verbale Kommunikation erschwert oder nicht möglich ist.
Die Karte hat das Format A4 und enthält gut verständliche Piktogramme. Sie helfen dabei, wichtige Informationen und Bedürfnisse mitzuteilen. Auf der Rückseite gibt es zudem Platz für schriftliche Nachrichten oder Zeichnungen.
Zunächst wurden zwei Varianten entwickelt. Eine richtet sich an die Touristeninformationszentren, die andere an Hotels. Künftig sollen weitere Versionen für andere Einrichtungen und Institutionen entstehen.
Barrierefreiheit soll langfristig verbessert werden
Das Projekt „Turystyka Dostępna“ beschränkt sich aber nicht auf die Entwicklung von Routen und Informationsmaterialien. In den nächsten Phasen sind auch Audits zur Barrierefreiheit von Hotels, touristischen Attraktionen und Wanderwegen geplant.
Die Ergebnisse sollen anschließend mit Organisationen beraten werden, die Menschen mit Behinderungen vertreten. Dadurch sollen die Empfehlungen möglichst genau den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer entsprechen.
Außerdem sind Schulungen für die Hotel- und Tourismusbranche geplant. Dabei soll unter anderem die Nutzung der Szczecińska Karta Komunikacji vermittelt werden.
„Barrierefreiheit ist ein Prozess. Sie erfordert Zusammenarbeit, Wissen, gute Planung und vor allem das Zuhören gegenüber Menschen, die im Alltag auf Barrieren stoßen“, sagt Aleksandra Werner, Beraterin für Barrierefreiheit bei ŻSTW. „Deshalb verbindet das Projekt Informationsangebote, Audits, Empfehlungen und Schulungen mit der Zusammenarbeit mit sozialen Organisationen und der Tourismusbranche“, fügt sie hinzu.
Quelle: wszczecinie
Foto: magnific