Der Automobilkonzern Stellantis wird die Fahrzeugproduktion im polnischen Tychy / Tichau ab März 2026 deutlich reduzieren. Grund ist die sinkende Nachfrage nach Kleinwagen. Das Werk verzichtet vollständig auf die dritte Produktionsschicht.
Von den Maßnahmen sind 740 Beschäftigte betroffen. Dies teilte die Betriebsgewerkschaft Solidarność mit. Der Stellenabbau soll über ein Programm freiwilliger Austritte erfolgen.
Obwohl bereits seit Herbst des vergangenen Jahres über eine Produktionskürzung spekuliert wurde, fiel die endgültige Entscheidung erst jetzt am 12. Januar.
Beschäftigtenzahl sinkt deutlich
Das Stellantis-Werk in Tychy / Tichau beschäftigt derzeit rund 2.300 Menschen. Nach der Streichung der dritten Schicht wird die Zahl auf etwa 1.600 sinken.
Produziert werden aktuell Fahrzeuge mit Hybridantrieb. Dazu gehören der Jeep Avenger, der Fiat 600 und der Alfa Romeo Junior.
Forderung nach höheren Abfindungen
Die Gewerkschaft fordert Abfindungen nach dem Vorbild früherer Stellenstreichungen in Polen. Im November 2024 wurde das Motorenwerk FCA Powertrain in Bielsko-Biała / Bielitz-Biala geschlossen. Dort verloren 468 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz.
Nach Angaben von Solidarność sollen die Regelungen für Tychy / Tichau vergleichbar sein. Die Abfindungen dürften demnach nicht unter 24 Monatsgehältern liegen. Als optimal gelten 36 Monate.
Von den 740 betroffenen Personen verfügen 140 über unbefristete Arbeitsverträge. Rund 300 haben befristete Verträge. Weitere 300 arbeiten über Zeitarbeitsagenturen.
Die Verhandlungen über die Details des Programms freiwilliger Austritte sollten am 14. Januar beginnen.
Schwäche des Konzerns auf globalen Märkten
Der Stellenabbau in Polen spiegelt die schwierige Lage des Konzerns auf den internationalen Märkten wider. Nach Angaben des Europäischen Automobilherstellerverbands ACEA sank der Absatz von Stellantis in Europa in den ersten elf Monaten 2025 um 5,5 Prozent auf 1,54 Millionen Fahrzeuge.
Die Marke Fiat verzeichnete dabei ein Minus von 11,3 Prozent im Jahresvergleich. Jeep verlor vier Prozent. In Polen fiel Fiat im vergangenen Jahr auf Platz 32 der meist zugelassenen Marken zurück. Der Marktanteil lag unter 0,5 Prozent.
Schlechtestes Produktionsergebnis seit 1954
Auch in Italien verschärft sich die Lage. Laut Reuters und der Gewerkschaft FIM Cisl sank die Produktion von PKW und Nutzfahrzeugen in den italienischen Stellantis-Werken 2025 um 20 Prozent auf weniger als 380.000 Einheiten.
Die PKW-Produktion brach um ein Viertel auf 213.700 Fahrzeuge ein. Dies ist der niedrigste Wert seit 1954.
Als Hauptursachen gelten die schwache Nachfrage in Europa sowie die wachsende Konkurrenz chinesischer Hersteller, insbesondere bei Elektrofahrzeugen. Zudem wurden mehrere Modellpremieren verschoben.
In der vergangenen Woche kündigte die US-Marke Chrysler, die zu Stellantis gehört, das Ende der Produktion hybrider Versionen des Jeep Wrangler, des Jeep Grand Cherokee sowie des Minivans Pacifica an.
Kleinwagen verlieren an Bedeutung
Ein zentrales Problem bleibt der schrumpfende Markt für Kleinwagen. Diese spielen eine große Rolle im Produktionsportfolio von Stellantis. Gleichzeitig gelten sie zunehmend als unrentabel.
Strengere Emissionsvorschriften treiben die Produktionskosten in die Höhe. Die Margen sinken. Käufer bevorzugen zudem größere sowie vielseitigere Fahrzeuge wie Crossover oder SUVs, auch bei höheren Preisen.
Fahrzeugproduktion in Polen verliert an Gewicht
Das Werk in Tychy / Tichau erreichte seinen Produktionshöhepunkt im Jahr 2009. Damals verließen fast 606.000 Fahrzeuge das Werk, darunter rund 298.000 Fiat Panda.
Nach der Verlagerung der neuen Panda-Generation ins italienische Pomigliano wurde die Produktion in Tychy / Tichau schrittweise reduziert.
In der stark exportabhängigen polnischen Automobilindustrie gewinnen inzwischen Teile und Komponenten an Bedeutung. Nach Daten von AutomotiveSuppliers.pl belief sich der Exportwert von PKW und leichten Nutzfahrzeugen in den ersten drei Quartalen 2025 auf 5,1 Milliarden Euro.
Im gleichen Zeitraum erreichte der Export von Autoteilen und Zubehör 13,5 Milliarden Euro.
Quelle: rp
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