Der Reifenhersteller Stomil-Poznań, das älteste Reifenunternehmen in der Woiwodschaft Großpolen, stellt den Betrieb ein. Am 2. Januar 2026 nahm eine außerordentliche Hauptversammlung den Antrag des Vorstands an. Damit wurde die Auflösung der Gesellschaft und ihre Liquidation beschlossen.
Das Unternehmen gehört zu 85 Prozent der Polnischen Rüstungsgruppe (Polska Grupa Zbrojeniowa, PGZ). In absehbarer Zeit wird es somit nicht mehr existieren.
Finanzkrise in Stomil-Poznań seit Jahren
Bereits Ende November des Vorjahres beantragte der Vorstand die Liquidation. Die finanzielle Krise der heute 98 Jahre alten Gesellschaft dauerte mehrere Jahre an. Ursache waren wachsende Schulden und eine fehlende Kreditwürdigkeit.
Nach Angaben der polnischen Presse blieben frühere Restrukturierungspläne erfolglos. Der Liquidationsprozess soll mehr als ein Jahr dauern.
Bei Stomil-Poznań arbeiteten zuletzt 119 Beschäftigte. Viele von ihnen hoffen nun auf eine Versetzung in andere Werke der PGZ in der Nähe des bisherigen Arbeitsplatzes.
Unternehmensgeschichte seit 1928
Die Geschichte von Stomil-Poznań begann 1928. Gründer war der Ingenieur Paweł Nestrypke. In der Zwischenkriegszeit produzierte das Unternehmen Fahrrad- und Motorradreifen. Ab 1934 kamen weitere Motorradreifen hinzu.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Stomil 1945 die Produktion wieder auf. 1956 führte das Werk den schlauchlosen Reifen ein. 1971 begann die Produktion von Reifen für Baumaschinen.
1992 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft im Besitz des polnischen Staates umgewandelt. In seiner Blütezeit beschäftigte das Werk über 700 Menschen.
Warnungen der Gewerkschaften
Seit Jahren wurde über schwere Probleme berichtet. Bereits 2021 warnten Gewerkschaften vor einer Überschuldung des Unternehmens.
Gegenüber der Presse erklärte Wojciech Woszczyło von der Gewerkschaft ZZSO Stomil-Poznań, dass Unternehmensimmobilien als Sicherheiten für Kredite dienten.
Ursachen der hohen Verluste von Stomil-Poznań
Nach Angaben der Gewerkschaft entstanden die Millionenschulden vermutlich durch einen unrentablen Vertrag aus dem Jahr 2016 mit einem wichtigen Geschäftspartner.
Als Grund galt ein Bonussystem für das Management, das sich an Umsätzen statt an Gewinnen orientierte. Laut Woszczyło verkaufte das Werk Produkte unter den Produktionskosten und verbrauchte dabei seine finanziellen Rücklagen.
Quelle: wp
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